April 2011:
Minsker finstere Wintertage

Juni 2009:
Deadline - die Redaktionsband der Süddeutschen Zeitung

Mai 2009:
Mutig gegen Korruption und Mafia

August 2008:
Netzwerk der Helfer (pdf-Datei)

Oktober 2007:
Zum 100. Geburtstag von Varian Fry

August 2007:
Tunnelblick im Feuilleton (pdf)

Mai 2007:
Es herrscht Ruhe im Land

Januar 2007:
Zum Tod von Ryszard Kapuscinski

Oktober 2006:
Civil Globalisation

Juni 2006:
Erinnerung an Ilaria Alpi

Februar 2006:
Sie liebte ihr Land

November 2005:
Tränen der Freude (pdf-Datei)

März 2005:
Hilfeschreie (pdf-Datei)

Dezember 2004:
Eine verwüstete Landschaft

September 2004:
El veneno de la habituacion (pdf-Datei)

Pressemitteilung
Januar 2004:
Leipziger Medienpreis 2004

Dezember 2003:
Preis für Toleranz

August 2003:
Unabhängiger Journalismus im Irak

Juli 2003:
Der Krieg nach dem Krieg

April 2003:
Zum Tod von Herbert Riehl-Heyse

März 2003:
Gespräch mit Christiane Schlötzer-Scotland

März 2003:
Zehn Jahre JhJ

Minsker finstere Wintertage

Am 6. - 7. März besuchte ich die weißrussische Hauptstadt und traf mit An­ge­hörigen und Freunden der inhaftierten Oppositionellen und Jour­nalisten zusammen. Lyutsina Khalip, Mutter von Iryna Khalip bedankte sich herzlich für die groß­zügige Unter­stützung, die ich im Namen  von "Journalisten helfen Journalsiten" über­brachte. Sie darf ihre Tochter im Haus­arrest besuchen und versorgt ihren dreijährigen Sohn.

Der KGB Palast "Amerikanka" befindet sich im Zentrum von Minsk: An der Pforte am Hintereingang können Familienangehörige Essenkörbe für die 46 politischen Gefangenen vorbeibringen. Der unabhängige Präsi­dent­schafts­kandidat Ales Mikhalevich, der hier ebenfalls zwei Monate ver­brachte und gegen Auf­lagen Anfang März freikam, sprach von einem "Kon­zen­trations­lager" inmitten der weiss­russischen Haupt­stadt. Mikhalevich ist inzwischen aus Weiss­russland geflohen.

Iryna Khalip

 

 

 

Die international renommierte Journalistin und Mitherausgeberin der un­ab­hängigen russischen Zeitung Novaya Gazetta  Iryna Khalip wurde am 19. Dezember 2010 gemeinsam mit ihrem Mann, dem Präsi­dent­schafts­kan­di­daten Andrei Sannikov, ver­haftet, als sie sich auf der Rück­fahrt von einer nicht-genehmigten Kund­gebung am Un­abhängig­keits­platz in Minsk be­fanden. Sie wurden aus ihrem privaten PKW von KGB Beamten gezerrt und dabei offen­bar ver­letzt, berichtete Irinas Mutter Lyutsina Khalip, die ich gemeinsam mit Alla Sannikova, der Mutter von Andrei Sannikov, in ihrer Wohnung in Minsk traf. Auf dem Platz der Unabhängigkeit hatte sie in einem Telefoninterview dem russischen Radiosender 'Echo of Moscow' über die gewalt­same Zer­schlagung der De­mon­stration durch Minsker Sonder­polizei­ein­heiten berichtet.

Iryna Khalip hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Berichte über Korruptions­fälle, über Wahl­betrug und Menschen­rechts­ver­letzungen in Weiß­russland ver­öffent­licht. Ihre Ent­hüllungen führten zu wieder­holten Polizei­verhören und Ver­haftungen. Bereits im Dezember 2009 erhielt Iryna Todes­drohungen auf Grund ihrer Enthüllungs­ge­schichten.
Man wirft ihr vor, Massenunruhen organisiert zu haben um den Prä­si­denten nach seiner Wiede­rwahl zu stürzen. Russische Geheim­dienst­stellen hätten vor terror­istischen An­schlägen gewarnt, so andere Gesprächs­partner in Minsk, und somit fast die gesamte Führung der politischen Opposition ins Gefängnis gebracht.
Am 31. Januar 2010 wurde Iryna Khalip aus dem Gefängnis ent­lassen und unter Haus­arrest ge­stellt. Zwei KGB Beamte sind nun täglich in ihrer Wohnung, wo sie ihre Mutter und ihren 3-jährigen Sohn täglich empfangen darf, sonst darf sie aller­dings niemand besuchen. Auch Telefon­gespräche sind unter­sagt. Ihr droht eine Gefängnis­strafe von 15 Jahren.
2009 hatte Iryna Khalip den Preis der "International Women's Media Foundation" für mutigen Jour­nalismus er­halten, 2005 wurde sie als "Heldin Europas" vom Time Magazine nominiert.  2005 wurde sie mit dem Henri Nannen Preis "für ihren couragierten Kampf für die Presse­freiheit in Weiß­russ­land" gewürdigt.  In der Würdigung hieß es: "Chalip deckte zahlreiche Beispiele von Korruption, Vettern­wirt­schaft und politischen In­trigen in ihrem Land auf. Mehr­fach stand sie wegen Verstößen gegen die re­pressiven Presse­gesetze vor Gericht, regelmäßig wird sie von der Staats­anwalt­schaft ver­nommen und bedroht. Sie muss wieder­holte Durch­suchungen von Büro und Wohnung er­tragen, das Innen­ministerium hat sie nach ver­traulichen In­for­mationen zum Staats­feind er­klärt. Irina Chalip riskiert ihr Leben, um die traurige Wahr­heit über die politischen Verhält­nisse in ihrem Land an die Öffent­lich­keit zu bringen. Sie erhält den Henri Nannen Preis 2005, weil sie mit ihrem Mut unbeirrt für die Presse­frei­heit und damit für die Entvstehung eines demo­kratischen Systems in ihrer Heimat eins­teht."

Ihre Schwiegermutter Alla Sannikova (Foto) äußerte sich auch besorgt über den Gesund­heits­zu­stand von Irynas Ehemann, der weiterhin in KGB-Haft sitzt und dem sie täglich Essen und Post an die Pforte des KGB Gebäudes bringt.

Iryna Khalip ist angeklagt vom Innenministerium nach Artikel 293 Absatz 1 und 2 des weißrussischen Strafgesetzbuches (Teilnahme und Organisation von Massenunruhen).
Zwischenzeitlich wurde ihr Sohn von staatlichen Organen aus dem Kindergarten geholt und an einen unbekannten Ort verbracht. Seit Kurzem hat die Mutter das Kind an sich genommen und das Aufsichtsrecht erhalten.

Weitere Journalisten in Haft und bedroht

Der Journalist Aleksandr Otroschenkov (Foto), der ebenfalls am 19. Dezember verhaftet worden ist, war Presse­sekretär von Präsi­dent­schafts­kandidat Andrei Sannikov und arbeitete zuvor für die Kampagne "Europäisches Belarus". Er war bei der Internet­re­daktion von Charter 97 be­schäftigt und arbeitete am 19.12. für das litauische Nach­richten­portal DELFI. Er wurde am 4. März von einem Minsker Bezirks­gericht zu vier Jahren Gefängnis ve­rurteilt.

Andrzej Poczobut (Andrei Pachobut), Journalist aus der weißrussischen Stadt Hrodna, erhielt eine Verwarnung vom Staatsanwalt wegen seiner Mitarbeit bei der polnischen Zeitung "Gazeta Wyborcza" ohne Akkreditierung. Seine Akkreditierung war am 14. Februar abgelaufen und nicht verlängert worden. Trotzdem erschienen seine Artikel über Ereignisse in Weißrussland auf der Webseite der Zeitung.
Andrzej Poczobut erklärte gegenüber Radio Svoboda, dass Staats­an­walt­schaft und das weiß­russische Außen­minis­terium sein verfassungs­mäßiges Recht, In­formationen zu sammeln und zu ver­breiten, ver­letzten. Er würde in jedem Fall seine jour­na­listische Arbeit fort­setzen. Andrzej Poczobut kam am 19. Dezember für 15 Tage in Unter­suchungs­haft in Minsk.

(JhJ/GG)