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Zehn
Jahre JhJ
Im
Jahre 2003 jährt sich zum zehnten Mal die Gründung des
Vereins "Journalisten helfen Journalisten". Auf Initiative
eines kleinen Kreises von überwiegend Münchener Journalisten
wurde diese Hilfsaktion für Journalisten unmittelbar nach der
Ermordung des SZ-Journalisten Egon Scotland im Verlauf einer Reportagereise
durch das damalige kroatische Kriegsgebiet ins Leben gerufen. Ziel
war und ist es dort helfend einzugreifen, wo Journalistinnen und
Journalisten im Rahmen ihrer Berufsausübung an ihrer Arbeit
gehindert, mißhandelt oder in besonders dramatischen Fällen
auch getötet werden. Wenn man um den konkreten Anlaß
und um die Ziele der Vereinsgründung weiß, verbietet
sich dazu jeder Jubel über die zehnjährige Existenz des
Vereins. Trotzdem kann der Verein auch etwas stolz auf die bisher
geleistete Arbeit zurückschauen: ist es doch durch eine beharrliche,
oft erzwungenermaßen auch diskrete Arbeit gelungen, eine Unzahl
von Hilfsmöglichkeiten für in Not geratene Journalistinnen
und Journalisten zu finden und zu stabilisieren. Insbesondere auf
dem Territorium von Ex-Jugoslawien konnte der Verein Kolleginnen
und Kollegen bei der Ausübung ihres Berufes mit großen
und kleinen Spenden helfen. Auch wurden in vereinzelten Fällen
Autoren an deutschsprachige Medien vermittelt, damit dort ihre Artikel
veröffentlicht werden konnten. Es ist so enges Netzwerk von
Journalistinnen und Journalisten entstanden, das nun schon seit
Jahren nicht nur durch berufliche Interessen, sondern oft auch durch
freundschaftliche Beziehungen eng zusammengehalten wird. Und JhJ
ist inzwischen zu einem unverzichtbaren Schnittpunkt von erfreulich
vielen Einzelpersonen, Initiativen und Hilfsorganisationen geworden,
die aus den unterschiedlichsten Motiven in Not geratenen Journalistinnen
und Journalisten bei ihrer Arbeit unterstützen. Auch die Zahl
der Mitglieder der Vereins ist kontinuierlich gewachsen. Derzeit
gehören 108 Journalistinnen und Journalisten dem Verein an.
Natürlich zeigt die aktuelle Krisensituation in vielen Redaktionen
und Verlagen auch ihre Folgen für JhJ. Unübersehbar ist
zum Beispiel der Rückgang an Spenden für die Arbeit des
Vereins. Das wiederum hat spürbare Folgen für die Handlungsmöglichkeiten
von JhJ im Sinne der Vereinssatzung. Durch die derzeitige weltpolitische
Lage, wird die Aufmerksamkeit - auch von professionellen Chronisten
- immer mehr von scheinbar weniger spektakulären Krisenregionen
abgelenkt. Und wie gefährlich etwa Reportageaufträge sein
können, erfährt die Öffentlichkeit zumeist erst,
wenn ein Journalist ermordet worden ist. 2002 haben 19 Journalisten
die Ausübung ihres Berufs mit dem Leben bezahlt. Mit der Unterstützung
einer tunesischen Kollegin und von drei Kollegen aus Belorussland
will der Verein auch ein Zeichen gegen das Vergessen von Regionen
setzen, in denen Journalistinnen und Journalisten ihre Arbeit nur
unter großen existenziellen Gefahren ausüben können.
Kommen doch die meisten Journalisten nicht bei der Verfolgung von
Kampfhandlungen ums Leben, sondern werden als Vergeltung für
ihre Berichterstattung getötet.
Aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens von JhJ soll auch
zum ersten Mal ein Preis gestiftet werden, mit dem ausdrücklich
an das professionelle Ethos erinnert wird, wie es auch für
Egon Scotland immer verbindlich gewesen ist.
Carl
Wilhelm Macke
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