Basijis gehören zur am meisten gefürchteten Spezialeinheit im Iran. Ihr Name steht für blutige Morde und Gemetzel bei Demonstrationen. Basijis tarnen sich als Demonstranten, rasen mit Motorrädern in protestierende Menschenmengen und gehen mit Messern und Pistolen auf alle los, die Flagge zeigen gegen die religiösen Herrscher. Basijis gelten als extrem islamistisch, ihre Befehle erhalten sie von ganz oben.
Das gehört zu den Schilderungen einer Augenzeugin, der 34jährigen Journalistin Shabnam Azar, die von den Einsätzen dieser Religionspolizei traumatische Erinnerungen zurück behalten hat. Mit ihrem Mann Ali Chakav floh sie 2010 vor der Geheimpolizei aus Teheran, das Geld dafür stammte aus dem Verkauf des gemeinsamen Autos. Shabnam stammt aus einer Lehrerfamilie, ihre Schwester, auch Journalistin, floh vor ihr nach Australien. "Wir wollten in meiner Familie immer, dass das Land behutsam reformiert wird und einen demokratischen Weg einschlägt", erzählt die junge Iranerin.
Die Stationen ihrer abenteuerlichen Flucht: Bangalore, Ankara, Deutschland. Shabnam und Ali hatten Glück im Unglück. Sie landeten in Ankara mit Hilfe von "Reporter ohne Grenzen" und JhJ auf einer Liste der Bundesregierung, die 50 iranischen Flüchtlingen in Not die Einreise in Deutschland ermöglichte.
Ankara hat das Paar nicht eben in guter Erinnerung. Dort war es Repressalien ausgesetzt, die ein normales Leben unmöglich machten. Die türkische Polizei verlangte 700 Euro Aufenthaltsgebühr, ihr Vermieter eine um ein Drittel höhere Miete, einen Internetzugang musste sich das Paar auf dem Schwarzmarkt besorgen, Anbieter dürfen mit Flüchtlingen keine Verträge abschließen. "Die türkischen Behörden nutzen die Not der Flüchtlinge brutal aus", sagt Shabnam. "Das Leben als Flüchtling ist die Hölle". Der iranische Geheimdienst sei in der Türkei überall aktiv. "Es gibt sogar Drohungen auf offener Straße". Die Polizei sei bestochen, damit der iranische Geheimdienst dort ungestört seinen schmutzigen Geschäften nachgehen könne.
Shabnam und Ali vermissen ihr Heimatland, aber sie wissen, dass eine Rückkehr im Moment nicht möglich ist. "Man denkt immer, bald geht man zurück, aber bevor man sich umschaut, sind Jahre vergangen", sagt Shabnam. Sie und ihr Mann lernen fleißig deutsch, acht Monate sind sie bereits hier. Die Hoffnung, dass sich im Iran etwas zum Besseren ändert, haben sie dennoch nicht aufgegeben. "Die meisten Menschen haben den Fanatismus satt", schätzt sie die Lage ein. "Aber die Führer der Opposition sind in Haft oder gesundheitlich angeschlagen".
Das Internet hält sie für den einzigen Weg, wie sich die im Untergrund agierende Opposition bemerkbar machen könne. Als vor knapp drei Jahren die großen Demonstrationen in Teheran gegen das Regime stattfanden, seien es nicht - wie im Westen berichtet wurde - Tausende gewesen, sondern allein in Teheran vier Millionen Menschen, sagt Shabnam Azar. Ehrfürchtig spricht sie vom Mut ihrer Landsleute. "Wenn Frauen für ihre Rechte eintreten, werden sie immer verprügelt oder gleich weggesperrt. Das war nur zu Zeiten des Präsidenten Khatami nicht so". Trotzdem gebe es Versammlungen.
Ob der Westen etwas tun kann? Shabnam hält viel von engen kulturellen Beziehungen, davon könnte die Bevölkerung profitieren, sagt sie. "Das Regime hat Angst vor einem Krieg".
Gabriele Rettner-Halder (JHJ)
Copyright: "Westdeutsche Allgemeine Zeitung"
"Journalisten helfen Journalisten" (JhJ) wurde 1993 gegründet. Zu den ersten Opfern unter den als Korrespondenten auf dem Balkan eingesetzten Journalisten gehörte Egon Scotland von der "Süddeutschen Zeitung". In Erinnerung an ihn und viele weitere in der Ausübung ihres Berufs getöteter und verfolgter Kolleginnen und Kollegen versucht JhJ heute weltweit Journalistinnen und Journalisten in Kriegs- und Krisengebieten zu helfen.