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Ungeheuer und menschliche Wesen
 
Sehim Bensedrine ”Gestern Abend zog der Scheich durch die Stadt. Er hielt eine Lampe in der Hand und rief: “Genügend Ungeheuer und Teufel habe ich schon gesehen, nach menschlichen Wesen verlangt es mir!“
(Dschaläl-ed-Din Rumi, 1207-1273, persischer Mystiker)

Wer sich über die ‚Ungeheuer und Teufel‘ in der Hölle der ‚freien Meinungs­äußerung’ im Jahr 2014 in­formieren will, sei auf eine aktuelle Statistik der ‚Reporter ohne Grenzen’ ver­wiesen: „Im Jahr 2014 hat Reporter ohne Grenzen (wel­tweit 119 Ent­führungen von Jour­nalisten gezählt – 37 Prozent mehr als 2013, als diese Zahl schon einmal deutlich gestiegen war. Mehr als verdoppelt hat sich die Gesamt­zahl der Jour­nalisten (139) und Bürger­journalisten (20), die vor Drohungen, Gewalt oder staatlichen Re­pressalien ins Aus­land fliehen mussten. 66 Jour­nalisten und damit etwas weniger als 2013 wurden wegen ihrer Arbeit getötet, ebenso 19 Bürger­journalisten und elf Medien­mit­arbeiter.“  In einer ganzen Reihe von Fällen hat JhJ dabei auch mit finan­ziellen und/ oder logis­tischen Hilfen geholfen.  Ins­gesamt wurden ca. 40.000 € an Sofort­hilfen für bedrohte, in­haf­tierte und flüchtende Jour­nalisten ge­leistet.  Für die wenigen sehr hohen Zu­wendungen, die vielen größeren und die unzählbaren kleineren Spenden möchten wir uns an dieser Stelle noch einmal bedanken..

 Hier sollen mehr ‚menschliche Wesen‘ im Mittel­punkt stehen, denen JhJ dabei geholfen hat, sich gegen die ‚Unge­heuer und Teufel‘ zu wehren (Eine Auswahl):

„…Was mir grosse Freude macht, ist unser grenz­ueber­schreitendes Jugend­programm mit jungen Jour­nalisten aus dem Kongo und Ruanda, an dem auch ‚ Tayna‘  teil­nimmt. Wir bringen die Jour­nalisten aus den Laendern zusammen, lassen sie gemeinsam zu einem bestimmten Thema in beiden Laendern re­cherchieren, und dann pro­duziert ein Radio die Sendung, die dann in allen Radios aus­gestrahlt wird. Johanna, eine deutsche Jour­nalistin in Kigali, und ich, wir bilden die Leute aus. Aber Ziel ist auch, die Voelker­ver­staendigung zu staerken, indem die Jour­nalisten Freund­schaften schliessen, aehnlich wie der Jugend­aus­tausch zwischen Deutsch­land und Frank­reich nach dem Krieg.“ (Auszug aus einer Mail von Judith Raupp, Goma/Ost-Kongo. Der Radio- und Internet­sender „Tayna“ wurde auf Ver­mittlung von JhJ mass­geblich mit Hilfe der schweizer Architektur­zeit­schrift „Hoch­parterre’gefördert.
 “How are you? Long time since i heard from you. Hope everything is well. All the best with your work.  I am doing good and work is picking up the required tempo! Hopefully, i will be able to do better work soon as my health has improved so very well. Thank you for the wonderful support that I got from you there. Hope to hear from you. Better still, hope to see you here in my state.“ Tongam Rina
( Der bei einem Über­fall schwer verletzten indischen Journa­listin Tongam Rina hat JhJ ihren Aufent­halt in Hamburg mit­finanziert. In­zwischen lebt sie wieder in Arunachal Pradesh/ Nord-Indien, recherchiert wieder über Umwelt­korruption – und steht schon wieder unter Polizeischutz )

Die tunesische Jour­nalistin Sehim Bensedrine ist zur Vor­sitzenden der tunesischen ‚Wahrheits­kommission ernannt worden, die nach süd­afrikanischem Vor­bild die Verbrechen des alten Regimes aufklären soll.I ( JhJ hat sie während der Ben-Ali-Diktatur mehrfach unterstützt).
Gefördert u.a. von JhJ verbringt die in Afghanistan mehr­fach be­drohte Jour­nalistin Farida Nekzad in Hamburg ein Stipendiums­jahr und kon­zipiert eine Nach­richten­agentur für in­vestigativen Jour­nalismus in Afghanistan. Deutsch­land hat in den ver­gangenen drei Jahren eine, wenn auch sehr begrenzte, Anzahl an syrischen Flücht­lingen aufgenommen. Dara Nawaf Abdallah ist einer von ihnen; seit einem Jahr lebt er in Deutsch­land. Dara Abdallah gehört zu der großen Gruppe von jungen Kreativen, die die Revolution von Beginn an künstlerisch und jour­nalistisch begleitet haben. Nach Beginn der Revolution wurde er drei Mal verhaftet und entschloss sich zur Flucht. ( JhJ finanziert den Sprachkurs von Dara Abdallah. )  Entsprechende Hilfe hat JhJ auch für Mahmoud Hassino, einem weiteren syrischer Flüchtling und Journalist, der jetzt in Berlin lebt, über­nommen.
 Nazeeha Saeed aus Bahrain hat ihren Beruf nach einer Verhaftung mit anschliessender Misshandlung auf dem Polizeirevier nicht aufgegeben. „Ich weigere mich, mich als Opfer zu sehen“, so die 33-Jährige, deren Vor­name be­zeichnender­weise „die Unbe­stechliche, Faire, Saubere“ bedeutet. Der Übergriff „gab mir die Einsicht und die nötige Kraft, zu kämpfen und aufzustehen für meine Rechte und die meiner Kollegen.( JhJ gehört neben ‘amnesty international’und den ‘Reportern ohne Grenzen’ zu den Kooperationspartnern der ‚Johann-Philipp-Palm-Stiftung in Schorndorf/ BW, die Nazeeha Saeed den ‚Palm-Preis für Meinungsfreiheit 2014‘  verliehen hat).

In ihrem Kampf gegen „Ungeheuer und Teufel“ in  Krisen­gebieten,  in Staaten mit dik­tato­rischen Regimen, gegen ‚Warlords’ und Fa­na­tiker aller Couleur wird JhJ auch weiterhin  Journalistinnen und Journalisten zu helfen versuchen./ cwm


Sehim Bensedrine
Sehim Bensedrine (Foto: Maurice Kohl)
Tongam Rina