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Zum Tod von Herbert Riehl-Heyse „Bestellte Wahrheiten“ hieß eines der zahlreichen Bücher, die der Journalist Herbert Riehl-Heyse geschrieben hat. Es handelte von seinen Erfahrungen, die er im Laufe eines langen Reporterlebens gemacht hat. Mit sich und mit anderen Journalisten. Beide mahnte er zur Vorsicht. Er hatte guten Grund dafür. Er kannte den Journalismus aus vielen Perspektiven. Und er liebte ihn. Gerade deswegen machte er sich auch so viele Sorgen um ihn. Herbert Riehl-Heyse wurde am 2. Oktober 1940 in Altötting geboren. Mit vier Jahren musste er erleben, dass sein Vater – ein einfacher Lagerverwalter – in den allerletzten Kriegstagen von einer marodierenden SS-Truppe erschossen wurde, nur weil er sich für eine friedliche Übergabe des Ortes an die Amerikaner eingesetzt hatte. Unter schwierigsten Bedingungen gelang es der Mutter die vier Kinder durch die Nachkriegsjahre zu bringen. Diese Erfahrung hat ihn zeitlebens empfindsam gemacht für soziale Probleme. Und sie hat ihn neugierig gemacht auf das Leben. Der Jurist mit beiden Staatsexamen wollte nicht in den Staatsdienst, sonder ihn trieb es – wie bereits seinen älteren Bruder Hans – in den Journalismus. Beide begannen ihre Laufbahn beim Münchner Merkur. Dort wurde er Landtagsberichterstatter und es war für ihn in den bewegten Zeiten der späten 60er Jahre nicht immer ganz einfach, in dem konservativen Blatt auch sein Verständnis für die andere Seite zu formulieren. 1971 holte dann die Süddeutsche Zeitung ihn ins Haus. Später erzählte er mal, dass dieser Beginn die schwierigste Zeit seines Lebens gewesen sei. Die Süddeutsche war die Zeitung, die er sich wünschte, aber er wollte niemand verdrängen und so tat er sich schwer, einen Platz zu finden. Doch seine Qualität setzte sich schnell durch. Die genaue Beobachtung, die exakte Recherche und sein später oft kopierter aber dennoch unnachahmlicher Stil ließ seine Lesergemeinde schnell anschwellen. Sein vielgerühmter leichter Ton verbarg aber nicht seine Bildung und sein umfangreiches Wissen. Als er einmal in einer Fernsehkritik ironisch monierte, dass Franz-Josef Strauß in einer Rede, die Ilias mit der Odysee verwechselt habe, veröffentlichte der Bayern-Kurier eine wütende Replik, in der Riehl-Heyse Kleingeistigkeit gegenüber den Großen vorgeworfen wurde. Nichts hätte falscher sein können. Er war in Kleinigkeiten penibel und er achtete sehr auf Kleinigkeiten, doch auch gerade das machte seine Größe aus. Jeder, über den er schrieb, bekam zunächst einmal die Chance, sich selbst darzustellen. Nicht zuletzt sein tiefer Glaube brachte ihn dazu, in jedem Menschen erst einmal das Positive zu suchen. Und es war nicht sein Maßstab den er anlegte, sondern den die Menschen für sich selbst beanspruchten. Genügten sie ihren eigenen Ansprüchen nicht, dann war es für sie häufig kein Vergnügen, das zu lesen, was Herbert Riehl-Heyse über sie schrieb. Für die Leser allerdings schon, denn seine Ironie war weit entlarvender als es der härteste Kommentar hätte sein können. So wurde er der wichtigste Autor für die Süddeutsche Zeitung. Aber viele Jahre war er auch ihr wichtigster Mitarbeiter im Haus. Nicht nur in seiner Zeit als stellvertretende Chefredakteur in den 80er Jahren war er derjenige, der für jeden im Haus ein offenes Ohr und ein offenes Herz hatte. Er war eine Art Ein-Mann-Vermittlungsausschuss, der für das geistige und soziale Klima im Haus der Süddeutschen Zeitung unentbehrlich war. Der Autor dieser Zeilen hatte das Glück, dreißig Jahre mit Herbert Riehl verbunden gewesen zu sein. Er musste ihm einmal ein Versprechen geben, das er jetzt brechen muss. Herbert Riehl-Heyse wollte nicht, dass er in einem Nachruf „Moralist“ genannt werde, weil er dieses Wort in schon in zu vielen Nachrufen gelesen habe. Doch Herbert Riehl-Heyse war als Mensch ebenso wie als Journalist ein Moralist, wie es nur ganz wenige gibt. Wir werden ihn alle schmerzlich vermissen. |
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