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Juni 2011:
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Januar 2011:
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Tödliche Länder für Journalisten

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Tödliche Länder für Journalisten
Nach der Sendung erschossen

Von Peter Burghardt

13 Kugeln im Kopf - Honduras und Mexiko sind für Reporter blutige Einsatz­gebiete. Die Polizei ist dabei keine Hilfe.

José Bayardo Mairena soll eine klare und unverwechsel­bare Stimme gehabt haben, heißt es. Am Freitag­morgen war sie zum letzten Mal in Radio Excélsior im Südwesten von Honduras zu hören. Nach der Sendung stieg der Moderator gemeinsam mit einem Kollegen ins Auto und fuhr von der Ortschaft Juticalpa Richtung Catacamas, auf dem Weg gerieten sie in den tödlichen Hinter­halt. Un­bekannte Täter feuerten auf beide je 13 Kugeln ab. Mairena, 52, starb sofort, sein Kollege, 55, im Kranken­haus. Mit ihnen sind es bereits fünf Jour­nalisten, die allein im März in dem mittel­ameri­kanischen Land er­mordet wurden. Von den Mördern und ihren Motiven wissen die Behörden offi­ziell nichts, wie üblich.

Der Anschlag erweitert das Ent­setzen der latein­ameri­kanischen Medien­organi­sationen über das gefähr­lichste Einsatz­gebiet der Welt. Erst vor einer Woche hatte die Inter­ameri­kanische Presse-Vereinigung IAPA auf 13 Morde an Jour­na­listen im ver­gangenen Halb­jahr auf dem Sub­konti­nent hin­gewiesen, nun sind es min­destens 15. In Montería im Norden Kolumbiens war zuvor Clodomiro Castilla Ospino er­schossen worden, Direktor der Zeit­schrift El Pulso del Tiempo, Puls der Zeit. Söldner streckten ihn vor seinem Haus nieder, seinen Leib­wächter hatte er ab­gegeben. Ins­gesamt wurden südlich des Rio Grande seit dem Jahr 2000 fast 70 Bericht­erstatter umgebracht.

Die Polizei ist oft keine Hilfe.

Der Kolumbianer Castilla soll über die Kon­takte von Poli­tikern zu Todes­schwadronen in­formiert haben, das war sein Todes­urteil. In Kolumbien be­kriegen sich linke Guerilleros, rechte Para­militärs und der Staat, es geht um Macht, Drogen und Geld, da sind Recherchen un­erwünscht.

Mexiko leidet heute mindestens genauso unter dem Rausch­gift­handel, dort wurden 2009 zwölf Jour­nalisten getötet und in diesem Jahr schon vier. Manche Medien lassen ihre Mit­arbeiter aus Sicherheits­gründen kaum mehr über Kokain­geschäfte nach­forschen, andere werden von der Mafia bezahlt.

Polizei und Regierung sind oft keine Hilfe. Kolumbiens rechts­kon­servativer Präsident Álvaro Uribe rückte einen Reporter in die Nähe der Guerilla, worauf der Kritiker Todes­drohungen von Para­militärs er­hielt. In Venezuela wiederum lässt der linke Staats­chef Hugo Chávez oppo­sitio­nelle Medien bedrängen. Auf Kuba sitzen mehr als 20 Jour­na­listen im Gefängnis. Und in Honduras ver­langen die Re­porter ohne Grenzen die Auf­klärung der neuesten Morde.

Es gehe nicht nur um das or­gani­sierte Ver­brechen, sondern nach dem Putsch vom Juni 2009 auch um An­griffe gegen Hüter der Menschen­rechte. Honduras sei mit Mexiko zur­zeit "Amerikas tödlichstes Land für Jour­na­listen".

(SZ vom 30.03.2010/berr)

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