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| Juli 2010: Ein gefährliches Gefühl Mai 2010: Journalismus in der Gefahrenzone April 2010: Tödliche Länder für Journalisten Februar 2010: Unter Feuer - Journalismus in Somalia Dezember 2009: |
Fern auf dem Balkan „Wer genug Geld hat“, heißt es einmal bei Ernst Bloch, „ wird manchmal merkwürdig gut. Er gönnt den Nächsten auch etwas, denkt sich etwas schönes für sie aus“. Aber manchmal und darüber erfährt man so wenig, gönnt der, der genug Geld hat, dem Nächsten auch nichts und denkt sich nicht einmal was schönes für ihn aus. Das reiche Westeuropa und der ferne Balkan, Deutschland und Mazedonien, Schwesternsolidarität, von Frau zu Frau, merkwürdig. Doch der Reihe nach und konkret: In der " Frankfurter Rundschau" erschien im Sommer ein Porträt von Stevan Tontic, einem in Berlin lebenden bosnischen Journalisten und Lyriker. Für seine Arbeiten hat er bereits diverse literarische Preise in Deutschland erhalten, aber natürlich reicht das Preisgeld nicht, um sich und seine kleine Familie zu ernähren. Um ihm das Leben in der teuren Stadt Berlin etwas zu erleichtern, überwies der Verein Münchener „Journalisten helfen Journalisten“ eine Solidarspende an seine Adresse. Umgehend bedankte sich Stevan Tontic für dieses unerwartete Geld und verwies seinerseits auf einen anderen, ihm bekannten Notfall. Liljana Dirjan, die Herausgeberin der in Skopje/ Mazedonien erscheinenden Frauenzeitschrift „Zena“ habe sich mit einem Notruf an ihn gewandt. Wegen der extrem angespannten Krisensituation in ihrem Land, sei eine weitere Herausgabe der Zeitschrift nicht mehr möglich. Der Zeitschrift seien, mit Verweis auf die Krisen und Vorkriegssituation im Lande sämtliche Konten gesperrt. Eine Ausgabe würde etwa 10.000 DM kosten, die aber jetzt nicht mehr zur Verfügung ständen. Da von Liljana Dirjan auch ein Band mit Gedichten in deutscher Sprache existiert, nahm der Verein Kontakt auf mit der deutschen Übersetzerin. Sie reagierte mit der Zusendung des Gedichtbandes „Schwere Seide“ (Corvinius Presse, Berlin, 2000) und eine Ausgabe der Zeitschrift „Zena“. Den gewünschten Betrag zur Sicherstellung des weiteren Erscheinens von „Zena“ konnte der kleine Münchener Verein allein nicht aufbringen. Trotzdem wurde eine Solidarspende von 2000.-DM bewilligt und dann über einem vertrauenswürdigen Boten an Liljana Dirjan persönlich übergeben. Um das restliche Geld zu organisieren, wandte sich der Verein mit ausführlichen Begleitinformationen an führende deutschen Frauenzeitschriften und bat um eventuelle Hilfen für die mazedonische Schwesterzeitschrift. Der Bitte wurde auch Material über den Verein ‚Journalisten helfen Journalisten‘ beigefügt, in dem die Notsituation vieler professionell Schreibender in verschiedenen Staaten Osteuropas geschildert wird. In den deutschen Medien wurde im Sommer 2001 ausführlich über den Einsatz deutschen Militärs zur Befriedung des Konfliktes in Mazedonien berichtet. Eine Aufmerksamkeit für das Land und insbesondere für die Notlage des Pressewesens konnte also in den Redaktionen der kontaktierten Frauenzeitschriften aus Hamburg und München unterstellt werden. Auch reiche Frauenzeitschriften, die sich vornehmlich an finanziell gut abgesicherte Frauen richten, werden ja manchmal merkwürdig gut. Doch die Reaktion ist eine andere, deprimierendere: der Verein schaffte es nicht, die deutschen Kolleginnen der mazedonischen Frauenzeitschrift für irgendeine Form der Unterstützung zu gewinnen. Entweder wurde überhaupt nicht auf die Bitte reagiert oder man verwies auf einen Basar im hinteren Teil der betreffenden Frauenzeitschrift. Eine erfahrene freie Journalistin erfuhr mit ihrem Vorschlag, eine Reportage über die Lage der Frauenzeitschriften in Mazedonien zu schreiben, eine Abfuhr. Kein Thema, das unsere Leserinnen interessiert. Vielen Dank. Ob und wie die westlichen Regierungen zu einer Befriedung in Mazedonien beitragen können, wird weiterhin in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Möglicherweise sprechen ja auch hin und wieder einmal die Redakteurinnen der Frauenzeitschriften in ihrer Freizeit über die Lage im fernen Balkan. Das ist ja alles schrecklich und Frieden, Frieden. Aber was geht uns das an. Die für professionell Publizierende aber naheliegende Idee, die unabhängige Presse in Mazedonien wo immer es möglich ist, zu unterstützen, kommt dabei wahrscheinlich nicht zur Sprache. Dass der Verein ‚Journalisten helfen Journalisten‘ im Falle von Liljana Dirjan und ihrer Zeitschrift „Zena“ so wenig Unterstützung bei den Redaktionen deutscher Frauenzeitschriften gefunden hat, ist enttäuschend. Manchmal ist das Verhalten derjenigen, die genug Geld haben, eben nur merkwürdig und nicht gut. Vielleicht ist das Desinteresse wohlhabender Frauenzeitschriften für die Notlage von Frauen und deren Medien „fern auf dem Balkan“ aber auch symptomatisch für die im europäischen Westen grassierende Müdigkeit und Coolness gegenüber den täglichen Überlebensproblemen im Osten. Carl Wilhelm Macke
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