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Januar 2012: Schweigen ist das schlimmste Verbrechen Oktober 2011: Gib dem Herrn und der Frau die Hand September 2011: In Gedenken an Egon Scotland Juli 2011: Angst ist keine Lösung Juni 2011: Auf eine Landmine getreten Februar 2011: Dem anderen entgegen Januar 2011: Gestorben in Gefängnishaft Dezember 2010: Gefüllte Benzinkanister vor der Tür November 2010: Wir haben auch eine Verantwortung Oktober 2010: Gegen Steinigung und Korruption September 2010: Aus der Schusslinie Juli 2010: Ein gefährliches Gefühl Mai 2010: Journalismus in der Gefahrenzone April 2010: Tödliche Länder für Journalisten Februar 2010: Unter Feuer - Journalismus in Somalia Dezember 2009: |
"JHJ - Netzwerk" – Was ist das? Auf einer Hochzeitsgesellschaft irgendwo im Münchner Hinterland. Man kommt ins Plaudern zwischen Aperitif und Vorspeise. Höflich stellt man sich der Tischnachbarin zur Linken vor. Journalist sei man und schreibe für diesen und jenen Abnehmer von publizistischen Produkten. Dann würde man auch noch viel Zeit in einen Verein investieren, der sich "Journalisten helfen Journalisten" nennt. Die Nachbarin zur Linken stellt den Plauderpartner ihrem Mann vor. "Paul, der Herr zu meiner Rechten macht was Sinnvolles. Er ist Journalist und hilft anderen Journalisten." Verunsicherung wird spürbar. Schwer zu sagen, ob man seine ehrenamtliche Tätigkeit selber als etwas Sinnvolles bezeichnen würde. Noch schwerer ist es aber, anderen zu erklären, was man denn nun so Tag für Tag in einem Sekretariat so anstellt, um anderen Journalisten zu helfen. Einführung in schnelles und gutes Recherchieren? Stilkunde für journalistische Berufsanfänger? Umgang mit elektronischen Schreibprogrammen? Steuerberatung für publizistische Berufe? Nichts von alledem, aber was dann? Versuchen wir also zu beschreiben, was genau in einem Sekretariat so passiert, in dem Journalisten Journalisten helfen. Ein Korrespondent des Bayerischen Fernsehens teilt per mail mit, dass er in Kürze nach Zimbabwe fliegen wird. In der Liste der Länder in denen ein freier, unabhängiger Journalismus besonders unterdrückt wird, nimmt Zimbabwe seit langem eine Spitzenposition ein. Viele Journalisten haben deshalb bereits das Land verlassen und leben im Exil. Aber nicht jeder kann und will sein Land und seine Angehörigen verlassen. Vielleicht kann man da von außen mit Spenden wenigstens eine symbolische Unterstützung für diese Journalisten leisten. Dem BR-Korrespondenten wird eine Kontaktadresse mitgeteilt, die JhJ wiederum von einer deutschen Menschenrechts-Stiftung erhalten hat. Wir garantieren eine bestimmte Geldsumme, die der BR-Kollege vor Ort und auf direktem Weg weiterleiten kann. Die Redakteurin einer SZ-Lokalausgabe im Münchner Hinterland informiert JhJ, dass sie eine armenische Fernsehjournalistin kennen gelernt habe, die bereits seit gut zwei Jahren in einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber lebt und in der Wäscherei eines Krankenhauses arbeitet. JhJ nimmt Kontakt mit der in Deutschland Asyl suchenden Kollegin auf und beginnt gemeinsam mit einem Anwalt und einem Netz von Hilfspersonen mögliche Unterstützungen zu sondieren. Der konstitutionell eher zarten armenischen Kollegin geht es gesundheitlich sehr schlecht und es gelingt JhJ, dass sie zusammen mit ihrem Mann wenigstens die Gemeinschaftsunterkunft mit einer ruhigeren Wohnalternative tauschen kann. Im Rahmen dieser Hilfsaktion lernt JhJ auch den vorbildlichen Flüchtlings- und Asyldienst der Jesuiten kennen, der seinerseits wiederum über ein weltweites Netz an Mitarbeitern verfügt, das auch für gelegentliche journalistische Solidaritätsaktionen genutzt werden kann. Eine in Brüssel lebende deutsche Journalistin informiert JhJ über ihre Kontakte zu syrischen Kolleginnen, die unter großen persönlichen Gefahren in ihrem Land ein unabhängiges Medien-Network betreiben. Schon eine relativ geringe Spende kann dazu beitragen, dass wenigstens ein ständiger Internet-Zugang finanziert werden kann. Die Brüsseler Kollegin kann nach Rücksprache mit JhJ über einen Betrag von gut 2000 Euro frei verfügen, wenn sie das nächste Mal wieder nach Syrien fliegt. Über den einmal wöchentlich verschickten IFEX-Newsletter ("International Freedom of Expression eXchange" mit Sitz in Toronto) hat ein haitianischer Rundfunkjournalist von der Existenz des deutschen Hilfsvereins JhJ erfahren und bittet um Hilfe. Wir vergewissern uns bei Verantwortlichen von IFEX über die Identität des betreffenden hilfesuchenden Journalisten aus Haiti. Nach der Bestätigung aller Angaben wird dem Kollegen eine für deutsche Verhältnisse lächerliche Solidaritätsspende überwiesen, mit der aber in Haiti mehrere Kollegen für längere Zeit unterstützt werden. Eine Medienstiftung bittet JhJ um Vorschläge für ihre jährlich vergebenen ‚Medienpreise'. Wir schlagen eine deutsche Journalistin vor, die in Afghanistan versucht, vornehmlich junge Frauen in die Grundlagen des journalistischen Arbeitens einzuführen. Dass die Jury der Medienstiftung schließlich auch diesen Vorschlag akzeptiert und die betreffende Kollegin prämiert, gehört zu den Glücksmomenten einer Hilfsarbeit, die ansonsten eher mit tragischen Notfällen und Hilflosigkeiten konfrontiert ist. Für den nächsten Medienpreis hat JhJ übrigens eine junge moldawische Journalistin vorgeschlagen, die nach gründlichen Recherchen über die korrupte Führungsclique dort um ihr Leben bangen muss. Einem mit JhJ in enger Verbindung stehendem Photojournalisten mit vielen internationalen Kontakten, wird ein derzeit in Deutschland lebender tschetschenischer Photograph vorgestellt. Gemeinsam überlegt man, wie man dem tschetschenischen Kollegen zu Aufträgen bei Bildagenturen verhelfen kann. Carl Wilhelm Macke MediumMagazin 2006
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