Januar 2012:
Schweigen ist das schlimmste Verbrechen

Oktober 2011:
Gib dem Herrn und der Frau die Hand

September 2011:
In Gedenken an Egon Scotland

Juli 2011:
Angst ist keine Lösung

Juni 2011:
Auf eine Landmine getreten

Februar 2011:
Dem anderen entgegen

Januar 2011:
Gestorben in Gefängnishaft

Dezember 2010:
Gefüllte Benzinkanister
vor der Tür


November 2010:
Wir haben auch eine Verantwortung

Oktober 2010:
Gegen Steinigung und Korruption

September 2010:
Aus der Schusslinie

Juli 2010:
Ein gefährliches Gefühl

Mai 2010:
Journalismus in der Gefahrenzone

April 2010:
Tödliche Länder für Journalisten

Februar 2010:
Unter Feuer - Journalismus in Somalia

Dezember 2009:
Kein Held und kein Märtyrer

Oktober 2009:
Nach der Trauer die Ermutigung

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Gefährlicher Einsatz

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Mut zur Skepsis

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Januar 2007:
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November 2006:
Die große Story

August 2006:
Stimme des "anderen Serbien"

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Februar 2006:
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Mai 2005:
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Ein kubanischer Fall

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Laudatio auf Dzevad Karahasan

November 2003:
Vergessen in der Freiheit

Oktober 2003:
Simpson´s World

Juni 2003:
Drei tote Journalisten

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Befristetes Exil

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August 2002:
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April 2002:
Tödliche Recherchen

Dezember 2001:
Fern auf dem Balkan

März 2001:
Badache

Februar 2001:
Neuanfang

"Unter Feuer "
Journalismus in Somalia ist ein Beruf für Todesmutige

Vor einem Jahr noch war der Zeitungsjournalist Abdiraham Osman hoffnungs­voll. Sein Chef versprach, ihn in diesem Sommer zur Fußball-Welt­meister­schaft nach Süd­afrika zu schicken. Er sollte endlich einmal eine schöne Seite seines Berufes kennen­lernen. Aber Osman kri­ti­sierte die Islamisten, weil sie ein Friedens­ab­kommen nicht ein­hielten und zog sich deren Zorn zu. Nun wird der 26 Jahre alte Somalier die WM am Fern­sehen ver­folgen müssen – in einem deutschen Asyl­bewerber­heim.
Abdiraham Osman lief gerade über den Markt in Mogadischu, als zwei Männer auf ihn zu­kamen und schossen. „Ich rannte um mein Leben", erzählt er. Noch am selben Tag verließ der Jour­nalist die Haupt­stadt und ver­steckte sich in einem Flüchtlings­lager auf dem Land. Seine Frau brachte ihm Geld und Papiere, umarmte ihn ein letztes Mal. Dann fuhr Osman mit dem Bus ins Nach­bar­land Kenia nach Nairobi, suchte einen Schlepper und floh nach Deutsch­land.
Osman hat Glück, denn er lebt. Somalia ist das Land, in dem unter allen afri­kanischen Staaten die meisten Jour­na­listen er­mordet werden. Nor­maler­weise nimmt Somalia auch welt­weit den Spitzen­platz auf dieser traurigen Hit­liste ein. Im ver­gangenen Jahr wurden aber auf den Philippinen bei einem einzigen Massaker 30 Medien­schaffende um­gebracht. In Somalia verloren neun Jour­na­listen ihr Leben, zwölf wurden ver­wundet, fünf­zehn will­kürlich ver­haftet und ein Viertel der etwa 400 Jour­na­listen in Somalia er­hielt Todes­drohungen – beinahe täglich. 39 kamen mit der Angst um ihr Leben und das ihrer Familien nicht mehr zurecht, sie flohen wie Osman ins Ausland.
"Unsere Zeitung musste schließen, es war einfach zu gefährlich, weiter zu arbeiten", sagt der junge Mann. Er hat für die Tages­zeitung Xiddigta ge­schrieben. Mit einer Auf­lage von 4800 Exemp­laren zählte sie zu den größeren Blättern im Land. Auf Anhieb fallen Osman sechs weitere Zei­tungen ein, die aus Furcht vor Über­griffen auf ihr Personal auf­ge­geben haben. Amboise Pierre, Afrika-Direktor bei Reporter ohne Grenzen, schätzt, dass im ver­gangenen Jahr mindestens ebenso viele Radio- und Fernseh­stationen ge­schlossen haben. "Für Jour­nalisten ist die Arbeit in Somalia lebens­gefährlich", sagt Pierre. "Sie sind im Kreuz­feuer, sie können von den Isla­misten genauso er­mordet werden wie von Sol­daten der Regierung", berichtet er.

Der somalische Staat ist zer­fallen, seit Diktator Siad Barre 1991 gestürzt wurde. Zuerst terrori­sierten War­lords die Be­völkerung. Nun sind es die ri­va­li­sierenden islamistischen Banden al-Shabaab und Hizbul Islam. Einige Splitter­gruppen be­kennen sich offen zu al-Qaida. Die Sol­daten der provi­sorischen, vom Westen gestützten Re­gierung kon­trollieren nur einen kleinen Teil der Haupt­stadt Moga­dischu. Es kommt vor, dass sie bei Kämpfen mit den Isla­misten auf den Hof von Re­daktionen flüchten und laufende Radio­sendungen stören oder rücksichts­los auf Jour­nalisten schießen. Wer die Re­gierung kri­ti­siert, kann im Gefängnis landen. Noch ra­di­kaler sind die Islamisten. Westliche Musik ist für sie Teufels­zeug, wer sich weigert, ihre Pro­pa­ganda zu senden, stirbt. Viele Re­porter ar­beiten nur noch mit schuss­sicheren Westen und lernen in Kursen der so­malischen Jour­na­listen - Union, wie sie Folter oder Ent­führungen viel­leicht über­leben können.

Die freie Radio­reporterin Bettina Rühl aus Köln, die seit vielen Jahren in Somalia re­cherchiert, sagt, die Gefahr für Jour­nalisten sei größer denn je: "Die War­lords früher waren einiger­maßen berechen­bar. Aber al-Shabaab ist völlig un­kalkulier­bar." Das sei dra­matisch für die Qualität der Bericht­erstattung: "Sehr viele erfahrene somalische Kollegen sind tot oder geflohen, und die jungen haben kaum eine Chance, ihr Handwerk richtig zu lernen."

Benedicte Goderiaux, die für Amnesty International Somalia beobachtet, sagt:"Es ver­schwinden immer mehr unab­hängige Medien. Außer in Mogadischu werden die Somalier fast nur noch mit islamistischer Pro­pa­ganda be­rieselt." Die Menschen würden kaum noch er­fahren, was in ihrem Land passiert, auch weil viele Jour­nalisten so einge­schüchtert seien, dass sie nicht mehr alles be­richteten. Wie also sollen die Somalier beur­teilen, ob es noch Gruppen gibt, die sich um Frieden bemühen, wem sie noch trauen sollen?
Und weil sich nur noch sehr wenige aus­ländische Reporter nach Somalia wagten, ließen sich auch die humanitäre Lage und das Ausmaß der not­wendigen Hilfe nur schwer ein­schätzen, sagt Goderiaux. Auf die lücken­hafte Bericht­erstattung führt sie es auch zurück, dass die Europäer für Somalia nur wenig Interesse ent­wickelten.

Süddeutsche Zeitung - JUDITH RAUPP

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