Juli 2010:
Ein gefährliches Gefühl

Mai 2010:
Journalismus in der Gefahrenzone

April 2010:
Tödliche Länder für Journalisten

Februar 2010:
Unter Feuer - Journalismus in Somalia

Dezember 2009:
Kein Held und kein Märtyrer

Oktober 2009:
Nach der Trauer die Ermutigung

März 2009:
Gefährlicher Einsatz

Mai 2008:
Mut zur Skepsis

November 2007:
Helft Milan!

Januar 2007:
Radio Eriwan und das Asylrecht

November 2006:
Die große Story

August 2006:
Stimme des "anderen Serbien"

April 2006:
Wo liegt Moldawien?

Februar 2006:
JhJ-Netzwerk - Was ist das?

November 2005:
Endlich Tränen der Freude

September 2005:
Wem es gut geht

Mai 2005:
Haiti cherie

Januar 2005:
Im Schatten vom Tsunami

November 2004:
Help me

September 2004:
Gift der Gewöhnung

Juli 2004:
Ein kubanischer Fall

April 2004:
Laudatio auf Dzevad Karahasan

November 2003:
Vergessen in der Freiheit

Oktober 2003:
Simpson´s World

Juni 2003:
Drei tote Journalisten

März 2003:
Befristetes Exil

November 2002:
Back to my profession

August 2002:
Drei Opfer

Juli 2002:
Ohne Schutz

April 2002:
Tödliche Recherchen

Dezember 2001:
Fern auf dem Balkan

März 2001:
Badache

Februar 2001:
Neuanfang

Im Schatten vom Tsunami

In einem Leitartikel des Londoner „Economist“ über die Flutkatastrophe in Südostasien konnte man eine berechtigte Frage lesen.  "Who noticed while millions were dying in Congo's wars?" Nicht die unendlichen Leiden der von der Tsunami-Flutkatastrophe getroffenen Menschen sollen damit relativiert werden. Auch kein kritisches Wort gegen die be­wunderns­werte und er­mutigende welt­weite Bereit­schaft zu helfen, wo und wie immer auch es möglich ist. Die Globa­li­sierung, bis­lang fast immer nur mit hohlen Worten gefeiert oder in dramatischen Unter­gangs­szenarien ver­dammt, wurde an­gesichts des See­bebens im Indischen Ozean vielleicht zum ersten Mal als eine Realität wirklich wahr­ge­nommen. Niemand kann sich ihr mehr entziehen. Aber waren und sind weiter­hin die grellen Schein­werfer der Auf­merk­sam­keit nicht zu sehr auf eine einzige, aktuell von einer gi­gan­tischen Ka­tas­trophe besonders be­troffenen Region gerichtet? "Who noticed while millions were dying in Congo's wars?" Wer hat zum Bei­spiel die genau während der Tsu­nami-Katas­trophe ver­öffent­lichten Berichte ver­schiedener Menschen­rechts- und No-Govern­ment-Organi­sationen über das für Journa­listen blutigste Jahr seit langem zur Kenntnis ge­nommen? Die "Reporter ohne Grenzen" sprechen in ihrer Ende 2004 ver­öffent­lichten Presse­mit­teilung von dem "tödlichsten Jahr für Journa­listen seit einem Jahr­zehnt"... Im ver­gangenen Jahr sind mindestens 53 Journa­listinnen und Journa­listen während oder wegen ihrer Arbeit ums Leben gekommen. Dies sind die höchsten Zahlen seit 1995; damals starben 64 Journa­listen, 22 allein im algerischen Bürger­krieg. Weiter­hin hat Reporter ohne Grenzen (ROG) 2004 15 getötete Medien­mit­arbeiter (Fahrer, Dolmetscher oder Stringer) gezählt... Welt­weit sind der­zeit 103 Journalisten sowie 70 Internet-Dissi­denten hinter Gittern."

Wenn auch mit wesentlich weniger Fällen als etwa die „Reporter ohne Grenzen“ konfrontiert, kann auch der Verein "Journa­listen helfen Journa­listen" eine ähnliche drama­tische Ten­denz be­legen. Nie zuvor seit der in­zwischen über zehnjährigen Exis­tenz des Vereins haben wir so viele An­fragen und Hilfe­rufe aus buch­stäblich allen Welt­winkeln er­halten: Bangladesh, Ecuador, Kenia, Haiti, Serbien, Botswana, Zimbabwe. Ihnen in... jedem... Einzel­fall gerecht zu werden, ist für JhJ nicht möglich. Dort, wo es keine verläßliche Möglich­keit gibt, den fast immer per e-mail  ge­schilderten -  Notfall zu verifizieren, kann auch keine Hilfe ge­leistet werden. Hier den um Hilfe bittenden, manchmal auch flehenden Kolleginnen und Kollegen, eine Ab­sage mit­zuteilen, fällt oft sehr schwer.  Wir ver­suchen dann, eventuell andere Organi­sationen auf den Fall hin­zu­weisen, in dem zu inter­venieren die JhJ-Vereins­satzung nicht zuläßt oder der die materiellen Möglich­keiten eines kleinen Hilfs­vereins sprengt.

Der Irak ist zum zweiten Jahr in Folge das gefährlichste Land der Welt für Journalisten. Aus dem Irak, dem für Journalisten derzeit ge­fähr­lichsten Land (2004 starben dort 19 Reporter und 12 Medien­mit­arbeiter) erreichte JhJ jetzt ein ganz besonderer Hilfe­ruf. Griechische Kollegen hatten die Athener SZ-Korres­pondentin über einen irakischen Kollegen in­for­miert, der der­zeit in Athen lebt. Ihm mußte infolge Kriegs­ein­wirkung ein Bein amputiert werden. Nach erfolgter Amputa­tion ver­suchen die mit JhJ in Ver­bindung stehenden grie­chischen Kolleginnen und Kollegen eine Prothese für ihn zu be­schaffen.
Da es in Griechen­land und der ge­samten Region keine guten Pro­thesen gibt, in Deutsch­land aber viel Er­fahrung mit Afghanistan-Opfern besteht, hat sich JhJ bereit erklärt, in diesem Fall mit allen zur Ver­fügung ste­henden materiellen wie logis­tischen Möglich­keiten zu helfen. Ob und wie der irakische Kollege dann wieder seinen Beruf aus­üben kann, ist unter den bekannten sehr un­sicheren Verhält­nissen im Irak un­gewiss. Aber immer­hin sind ihm und seiner Familie erste not­wendige Grund­lagen dafür gegeben worden. Eine, an­gesichts der Dimen­sionen eines gi­gantischen See­bebens in Südost­asien oder der Opfer von Kriegen in und zwischen ver­schiedenen afri­kanischen Staaten und Stämmen, lächerlich geringe Hilfe. Doch ver­zweifelte Re­signa­tion wäre keine Alter­native oder, mit dem Titel eines jüngst erschie­nenen neuen Buches des alten ameri­kanischen Journa­listen Studs Terkel, formu­liert: "Hope dies last. Keep the faith in difficult times."

Carl Wilhelm Macke