![]() |
|||
![]() |
|||
|
Januar 2012: Schweigen ist das schlimmste Verbrechen Oktober 2011: Gib dem Herrn und der Frau die Hand September 2011: In Gedenken an Egon Scotland Juli 2011: Angst ist keine Lösung Juni 2011: Auf eine Landmine getreten Februar 2011: Dem anderen entgegen Januar 2011: Gestorben in Gefängnishaft Dezember 2010: Gefüllte Benzinkanister vor der Tür November 2010: Wir haben auch eine Verantwortung Oktober 2010: Gegen Steinigung und Korruption September 2010: Aus der Schusslinie Juli 2010: Ein gefährliches Gefühl Mai 2010: Journalismus in der Gefahrenzone April 2010: Tödliche Länder für Journalisten Februar 2010: Unter Feuer - Journalismus in Somalia Dezember 2009: |
Milosevic, Djurdjevic Der Eine steht derzeit in Den Haag vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal und genießt die internationale Medienöffentlichkeit. Die Andere muß sich und ihre Tochter in Belgrad unter den einfachsten Lebensbedingungen durchschlagen. Der Eine ist als Verantwortlicher für massenhafte brutale Kriegsverbrechen angeklagt. Die Andere hat versucht, auch gegen den Druck des Regimes in den Zeiten des ethnischen Hasses, ihre Würde als eine unabhängige Journalistin zu behalten. Beide sind sie Serben, aber es trennen sie Welten. Slobodan Milosevic muß sich um die Begleichung der Stromrechnungen in seiner Belgrader Villa auch in seiner Abwesenheit keine Sorgen machen. Bei Olivera Djurdjevic stapeln sich die unbezahlten Rechnungen für den dringend notwendigen Alltagsbedarf. Milosevic muß man nicht mehr vorstellen. Wer aber ist Olivera Djurdjevic? Sie wurde 1956 in Belgrad geboren und hat ihre ersten journalistischen Erfahrungen bei einer Studentenzeitschrift gesammelt. Seit 1980 arbeitete sie bei Radio Belgrad im dokumentarischen Programm. Bei einem schweren Verkehrsunfall wurden ihre Beine so sehr verletzt, dass sie sie seitdem nicht mehr bewegen kann. 1990 wurde ihre Tochter Isidora geboren. Ein Jahr später wurde ihr Mann anläßlich eines Besuches bei seinen Eltern in Dubrovnik ermordet. Trotz dieser Schicksalsschläge arbeitete Olivera weiter in ihrem Beruf als Journalistin. 1992 wurde sie anläßlich einer von ihr verfassten regimekritischen Reportage über das Verhältnis serbischer Schriftsteller zum Krieg von Radio Belgrad entlassen. Um ihr und der Tochter das Leben irgendwie zu sichern, verkaufte sie auf den Strassen Belgrads Gebäck. 1996 wurde sie dann wieder von der unabhängigen Tageszeitung 'Blic als Journalistin eingestellt. 1998 wechselte sie wieder die Redaktion und wurde Kulturredakteurin für die Wochenendausgabe der Tageszeitung 'Glas'. Ihr Monatslohn beträgt dort ungefähr 120 Euro. Zusammen mit ihrer Tochter kann sie sich nur eine 20qm Wohnung ohne Fernsehen und Radio leisten. Beides steht Slobodan Milosevic' selbstverständlich in seinem Haager Untersuchungsgefängnis zur Verfügung. Was muß in einer Kollegin wie Olivera Djurdjevic vor sich gehen, wenn sie auf dem Fernsehschirm in der Redaktion ihrer jetzigen Zeitung Bilder vom arroganten Auftreten des Slobodan Milosevic' in Den Haag vor den Augen der Weltöffentlichkeit sieht? Um Olivera Djurdjevic wenigstens das Gefühl zu geben, nicht ganz allein gelassen zu werden bei der Bewältigung ihres Alltags, hat der Verein "Journalisten helfen Journalisten" ihr jetzt eine Spende überwiesen. Der serbische Schriftsteller Dragan Velikic', dessen neuer Roman "Der Fall Bremen" in den deutschen Feuilletons hochgelobt wird, kommentierte diese solidarische Hilfe mit den Worten: "Ich stand mit meiner Opposition gegen Milosevic' immer unter dem Schutz ausländischer Redaktionen und Verlage. Olivera hingegen hat ihre Würde ohne jede Form materieller und moralischer Absicherung bewahrt. Sie hat heute jede Hilfe verdient." Carl Wilhelm Macke
|
||