Juli 2010:
Ein gefährliches Gefühl
Mai 2010:
Journalismus in der Gefahrenzone
April 2010:
Tödliche Länder für Journalisten
Februar 2010:
Unter Feuer - Journalismus in Somalia
Dezember 2009:
Kein Held und kein Märtyrer
Oktober 2009:
Nach der Trauer die Ermutigung
März 2009:
Gefährlicher Einsatz
Mai 2008:
Mut zur Skepsis
November 2007:
Helft Milan!
Januar 2007:
Radio Eriwan und das Asylrecht
November 2006:
Die große Story
August 2006:
Stimme des "anderen Serbien"
April 2006:
Wo liegt Moldawien?
Februar 2006:
JhJ-Netzwerk - Was ist das?
November 2005:
Endlich Tränen der Freude
September 2005:
Wem es gut geht
Mai 2005:
Haiti cherie
Januar 2005:
Im Schatten vom Tsunami
November 2004:
Help me
September 2004:
Gift der Gewöhnung
Juli
2004:
Ein kubanischer Fall
April 2004:
Laudatio auf Dzevad Karahasan
November
2003:
Vergessen in der Freiheit
Oktober 2003:
Simpson´s World
Juni 2003:
Drei tote Journalisten
März
2003:
Befristetes Exil
November 2002:
Back to my profession
August 2002:
Drei Opfer
Juli 2002:
Ohne Schutz
April 2002:
Tödliche Recherchen
Dezember 2001:
Fern auf dem Balkan
März 2001:
Badache
Februar 2001:
Neuanfang |
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Ein kubanischer Fall
Kuba ist „Spitze“. Was ein Tourist nach seiner Rückkehr von der
Zuckerinsel seinen Freunden erzählt, klingt aber aus dem Mund eines
Journalisten ganz anders. Kuba steht an der Spitze derjenigen Länder, in
denen unabhängige Journalisten ganz besonderen Einschränkungen ihrer Arbeit
unterworfen werden. Seit März 2003 hat die kubanische Regierung ihren Kurs
relativer Toleranz gegenüber unabhängige Medien deutlich verschärft. Sie
ließ 75 in Kuba lebende Dissidenten verhaften, unter ihnen 27 unabhängige Journalisten. Sie sollen, so der übliche Vorwurf, in Zusammenarbeit mit den USA die Unabhängigkeit
Kubas gefährdet und der Wirtschaft des Landes geschadet haben. Bis Anfang
2003 bestand für die Journalisten des Landes eine relative Freiheit, ihre
Berichte und Reportagen, wenn sie nicht von den staatlichen Medien
publiziert wurden, zumindest im Ausland zu veröffentlichen. Diese für
kubanische Verhältnisse begrüßenswerte liberale Praxis wurde aber nach
kurzer „Experimentierzeit“ wieder stark eingeschränkt. Anfang April 2003
verurteilten die Gerichte die Journalisten und Dissidenten zu Haftstrafen
von bis zu 27 Jahren. Zusätzlich wurden sie in Gefängnisse verlegt, die
hunderte Kilometer von ihren Wohnorten entfernt liegen.
Die Familienangehörigen der Inhaftierten verurteilen dieses Vorgehen als
“zweite Strafe“. Angesichts der unerträglichen Haftbedingungen seien die
Gefangenen auf die Unterstützung ihrer Familien angewiesen, um überleben zu
können. Stellvertretend für viele unterstützt JhJ einen Kollegen, der selber
zwar nicht im Gefängnis sitzt, aber an dessen Solidarität mit den Gefangenen
keine Zweifel bestehen.
JhJ hat verlässliche Informationen von einem Journalisten und Schriftsteller
erhalten, dessen genaue Identität nicht offengelegt werden kann. Bis Anfang
der neunziger Jahre war der Kollege sogar in führenden staatlichen
Mediengremien aktiv, die sich vornehmlich der Aussendarstellung des Landes
widmeten. Ausserdem war er als Autor von zahlreichen Drehbüchern für
Fernsehromane und Hörspiele sowie Literaturkritiker tätig.
1993 nach öffentlicher Kritik an der Partei- und Regierungspolitik, legte er
konsequent sämtliche Ämter nieder und entfernte sich von jedweder
publizistischer Tätigkeit auf der Insel. Seitdem überlebt er mittellos in
Havanna und schreibt Romane und Gedichte. Seine wiederholt geäußerte
offene Solidarität gegenüber inhaftierten Schriftstellern und unabhängigen
Journalisten hat seine persönliche Situation in der letzten Zeit weiter
verschlechtert. Mit einer Unterstützung des Kollegen möchte JhJ auch eine
Solidarität mit den vielen anderen inhaftierten Journalistinnen und
Journalisten zum Ausdruck bringen. Die kubanische Musik soll „Weltspitze“
bleiben, aber nicht die staatliche Repression gegen unabhängige
Journalisten. Wenn sich also beim Hören des „Buena Vista Social Club“ hin
und wieder nicht nur das Tanzbein, sondern auch einmal das schlechte
Gewissen rührt, wäre das im Sinne der Menschenrechte...
Carl Wilhelm Macke |
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