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| Juli 2010: Ein gefährliches Gefühl Mai 2010: Journalismus in der Gefahrenzone April 2010: Tödliche Länder für Journalisten Februar 2010: Unter Feuer - Journalismus in Somalia Dezember 2009: |
Haiti cherie Von Haiti, ich gestehe es, wußte ich vor dem Kontakt mit Pierre, fast nichts. Nur ein Lied hatte ich seit vielen Jahren in den Ohren. Ein süßlicher Text, aber ein ganz feiner Rhythmus, der einen sofort von untergehender Sonne und plätschernden Meereswellen träumen läßt. „Haiti cherie“, gesungen von Harry Belafonte, hat mein Bild von Haiti geprägt. „A lovely land, the sun is bright and the moonlight softly...” Der Rhythmus des Liedes und die Stimme von Belafonte gefallen mir immer noch, aber der Text ist seitdem mich Pierre aufgeklärt hat, unerträglich kitschig. Pierre Claudel ist ein haitianischer Journalist, von dem JhJ zum ersten Mal über das internationale Journalisten-Network IFEX (Toronto) erfahren hat. Über deren Newsletter wird regelmäßig über die Situation auf Haiti berichtet. „Haiti cherie“ hat mit dem wirklichen Haiti im Jahre 2005 nichts, aber auch gar nichts gemein. Das Leben dort muß heute fürchterlich sein. Der deutsche Journalist Thomas Schmid, ein Kenner der Insel, schreibt von dem “völlig heruntergekommenen Karibikstaat Haiti. Ein einziges Bild der Tristesse”. Schwere Flutkatastrophen vernichten von Zeit zu Zeit immer wieder die Existenzen der Bauer. Im Jahre 2004 sind mindestens 3000 Menschen Opfer von Überschwemmungen geworden, die in den großen weltweit operierenden und sendenden Medien-Networks überhaupt nicht zur Kenntnis genommen worden sind. Die Lebenserwartung in Haiti liegt bei 49 Jahren. Jeder zweite Erwachsene ist Analphabet. Seit Jahren ist das Land, vor allem die Hauptstadt Port-au-Prince, Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern des Anfang 2004 gestürzten Staatspräsidenten Jean-Bertrand Aristide. Bis zu 400 Menschen sind inzwischen den gewalttätigen Ausschreitungen zum Opfer gefallen. Fast 7000 UNO-Soldaten sind auf der Insel stationiert, um zwischen den Fronten zu vermitteln und für ein Minimum an Stabilität zu sorgen. Nach Auskunft von „amnesty-International“ agieren die UN-Blauhelmtruppen jedoch äußerst zurückhaltend in diesen Konflikten. Eine Entwaffnung der sich bekämpfenden Parteien hat nicht stattgefunden. Ehemalige Militärangehörige haben sich zusammengeschlossen und terrorisieren als „Front Rèvolutionaire pour l’Avancement et le Progrès d’Haiti“ die Bevölkerung. Besonders gefährlich und dramatisch ist derzeit die Situation von Journalisten auf Haiti. Nach Informationen der „Reporter ohne Grenzen“, die auch von anderen journalistischen Netzwerken bestätigt werden, sind Journalisten im Fadenkreuz der verschiedenen, sich blutig bekämpfen Banden, die sich entweder als Anhänger oder als Gegner der alten Regierung Aristide definieren. Todesdrohungen gegen unabhängige Journalisten sind an der Tagesordnung. Von Pierre, der uns regelmäßig über die Dramatik seines Heimatlandes informiert, haben wir jetzt von der Ermordung des Journalisten Robenson Laraque erfahren. Laraque arbeitete für eine private Radiostation in der Küstenstadt Petit-Goave. Zusammen mit anderen Kollegen berichtete Laraque von einer blutigen Konfrontation einer UN-Streife und bewaffneten Ex-Soldaten. Nach Aussagen von Zeugen sei Laraque dabei wahrscheinlich von einem UN-Soldaten getroffen worden. Ob diese Aussage zutrifft, soll von Kommission untersucht werden. Unzweifelhaft ist jedoch, dass auf Haiti inzwischen die Arbeit von Journalisten lebensgefährlich geworden ist. Um die aktuelle haitianische Tragödie nicht vollkommen im „toten Winkel“ der Weltöffentlichkeit zu vergessen, versucht JhJ Kontakte zu Journalisten in Port-au-Prince aufrechtzuerhalten. Wir haben einzelne Geldspenden überwiesen und versuchen die Aufmerksamkeit für das vergessene Haiti auch unter deutschen Medien zu wecken. Au revoir, „Haiti cherie“…
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