Juli 2010:
Ein gefährliches Gefühl

Mai 2010:
Journalismus in der Gefahrenzone

April 2010:
Tödliche Länder für Journalisten

Februar 2010:
Unter Feuer - Journalismus in Somalia

Dezember 2009:
Kein Held und kein Märtyrer

Oktober 2009:
Nach der Trauer die Ermutigung

März 2009:
Gefährlicher Einsatz

Mai 2008:
Mut zur Skepsis

November 2007:
Helft Milan!

Januar 2007:
Radio Eriwan und das Asylrecht

November 2006:
Die große Story

August 2006:
Stimme des "anderen Serbien"

April 2006:
Wo liegt Moldawien?

Februar 2006:
JhJ-Netzwerk - Was ist das?

November 2005:
Endlich Tränen der Freude

September 2005:
Wem es gut geht

Mai 2005:
Haiti cherie

Januar 2005:
Im Schatten vom Tsunami

November 2004:
Help me

September 2004:
Gift der Gewöhnung

Juli 2004:
Ein kubanischer Fall

April 2004:
Laudatio auf Dzevad Karahasan

November 2003:
Vergessen in der Freiheit

Oktober 2003:
Simpson´s World

Juni 2003:
Drei tote Journalisten

März 2003:
Befristetes Exil

November 2002:
Back to my profession

August 2002:
Drei Opfer

Juli 2002:
Ohne Schutz

April 2002:
Tödliche Recherchen

Dezember 2001:
Fern auf dem Balkan

März 2001:
Badache

Februar 2001:
Neuanfang

Haiti cherie

Von Haiti, ich gestehe es, wußte ich vor dem Kontakt mit Pierre, fast nichts. Nur ein Lied hatte  ich seit vielen Jahren in den Ohren. Ein süßlicher Text, aber ein ganz feiner Rhythmus, der einen sofort von untergehender Sonne und plätschernden Meereswellen träumen läßt. „Haiti cherie“, gesungen von Harry Belafonte, hat mein Bild von Haiti geprägt. „A lovely land, the sun is bright and the moonlight softly...” Der Rhythmus des Liedes und die Stimme von Belafonte gefallen mir immer noch, aber der Text ist seitdem mich Pierre aufgeklärt hat, un­er­träglich kitschig. Pierre Claudel ist ein haiti­anischer Journa­list, von dem JhJ zum ersten Mal über das inter­nationale Journa­listen-Net­work IFEX (Toronto) erfahren hat. Über deren News­letter  wird regel­mäßig über die Situation auf Haiti berichtet. „Haiti cherie“ hat mit dem wirklichen Haiti im Jahre 2005 nichts, aber auch gar nichts gemein. Das Leben dort muß heute fürchter­lich sein. Der deutsche Journa­list Thomas Schmid, ein Kenner der Insel, schreibt von dem “völlig herunter­gekommenen Karibik­staat Haiti. Ein einziges Bild der Tristesse”. Schwere Flut­katas­trophen  ver­nichten von Zeit zu Zeit immer wieder die Existenzen der Bauer. Im Jahre 2004 sind mindestens 3000 Menschen  Opfer von Über­schwemmungen geworden, die in den großen weltweit operierenden und sen­denden Medien-Net­works überhaupt nicht zur Kenntnis genommen worden sind. Die Lebens­erwartung in Haiti liegt bei 49 Jahren. Jeder zweite Erwachsene ist An­alphabet. Seit Jahren ist das Land, vor allem die Haupt­stadt Port-au-Prince,  Schau­platz blutiger Auseinander­setzungen zwischen Anhängern und Gegnern des Anfang 2004 gestürzten Staats­präsidenten Jean-Bertrand  Aristide. Bis zu 400 Menschen sind inzwischen den gewalt­tätigen Aus­schreitungen zum Opfer gefallen. Fast 7000 UNO-Soldaten sind auf der Insel stationiert, um zwischen den Fronten zu ver­mitteln und für ein Minimum an Stabilität  zu sorgen. Nach Auskunft von „amnesty-Inter­national“ agieren die UN-Blau­helm­truppen jedoch äußerst zurück­haltend in diesen Kon­flikten. Eine Ent­waffnung der sich bekämpfenden Parteien hat nicht statt­gefunden. Ehe­malige Militär­angehörige haben sich zu­sammen­geschlossen und terrori­sieren  als „Front Rèvolutionaire pour l’Avancement et le Progrès d’Haiti“ die Bevölkerung. Besonders gefährlich und drama­tisch ist der­zeit die Situation von Journa­listen auf Haiti. Nach Infor­mationen der „Reporter  ohne Grenzen“, die auch von anderen journa­listischen Netz­werken bestätigt werden, sind Journa­listen im Fadenkreuz  der ver­schiedenen, sich blutig bekämpfen Banden, die sich entweder als Anhänger oder als Gegner der alten Regierung Aristide defi­nieren. Todes­drohungen gegen unab­hängige Journa­listen sind an der Tages­ordnung. Von Pierre, der uns regelmäßig über die Dramatik seines Heimat­landes infor­miert, haben wir jetzt von der Er­mordung des Journa­listen Robenson Laraque er­fahren. Laraque arbeitete  für eine private Radio­station in der Küsten­stadt Petit-Goave. Zusammen mit anderen Kollegen berichtete Laraque von einer blutigen Kon­frontation einer UN-Streife und bewaffneten Ex-Soldaten. Nach Aus­sagen von Zeugen sei Laraque dabei wahr­scheinlich von einem UN-Soldaten getroffen worden. Ob diese Aussage zu­trifft, soll von Kommission unter­sucht werden. Un­zweifel­haft ist jedoch, dass auf Haiti inzwischen die Arbeit von Journa­listen lebens­gefährlich geworden ist. Um die aktuelle haitianische Tragödie nicht vollkommen im „toten Winkel“ der Weltöffentlichkeit zu vergessen, versucht JhJ Kontakte zu Journalisten in Port-au-Prince aufrecht­zu­er­halten. Wir haben einzelne Geld­spenden über­wiesen und ver­suchen die Auf­merk­samkeit für das vergessene  Haiti auch unter deutschen Medien zu wecken. Au revoir, „Haiti cherie“…
 
Carl Wilhelm Macke