![]() |
|||
![]() |
|||
|
Januar 2012: Schweigen ist das schlimmste Verbrechen Oktober 2011: Gib dem Herrn und der Frau die Hand September 2011: In Gedenken an Egon Scotland Juli 2011: Angst ist keine Lösung Juni 2011: Auf eine Landmine getreten Februar 2011: Dem anderen entgegen Januar 2011: Gestorben in Gefängnishaft Dezember 2010: Gefüllte Benzinkanister vor der Tür November 2010: Wir haben auch eine Verantwortung Oktober 2010: Gegen Steinigung und Korruption September 2010: Aus der Schusslinie Juli 2010: Ein gefährliches Gefühl Mai 2010: Journalismus in der Gefahrenzone April 2010: Tödliche Länder für Journalisten Februar 2010: Unter Feuer - Journalismus in Somalia Dezember 2009: |
Befristetes Exil ( Ahmet Zeki Okcuoglu ) In der Türkei scheint sich in den letzten Monaten einiges zugunsten der freien publizistischen Arbeit verbessert zu haben. Jedenfalls ist die Bedrohung der Pressefreiheit in diesem Land nicht mehr so häufig in den Schlagzeilen auch internationaler Medien wie in den vergangenen Jahren. Schaut man aber etwas genauer auf die Situation der Medien- und Pressefreiheit, dann entdeckt man immer noch Formen der Meinungsunterdrückung, die mit dem Katalog allgemein gültiger Menschenrechte nicht vereinbar sind. Der Fall von Ahmet Zeki Okcuoglu ist da nur ein Beispiel. Er gehört als Anwalt, Journalist und Verleger bereits seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Oppositionellen in der Türkei. Sein hartnäckiges Engagement für die Rechte der kurdischen Minderheit hat ihn immer wieder in Konfrontation mit staatlichen Behörden gebracht, die die Kurden mal mit offener Aggression, mal weniger gewalttätig verfolgen. Mehrmals wurde er wegen seiner prokurdischen Positionen verhaftet, oft auch gefoltert. Laut Amnesty International', das sich für Okcuoglu schon seit vielen Jahren einsetzt, lehnte er jedoch immer auch überzeugend den bewaffneten Kampf kurdischer Gruppen strikt ab. 1990 hat er den Verlag DOZ gegründet, in dem Publikationen über die kurdische Geschichte und Kultur herausgegeben werden. Als Verantwortlicher der regierungskritischen Zeitschrift "Serbesti" wurde Okcuoglu mehrfach zu Gefängnisstrafen verurteilt, die fast immer auch mit Folterungen verbunden waren. Eine zeitlang vertrat er als gelernter Anwalt auch den ehemaligen Kurdenführer Abdullah Öcalan vor Gericht. Wegen unüberbrückbarer Meinungsunterschiede mit dem Angeklagten Öcalan hat er dieses Mandat aber im Verlaufe des Prozesses niedergelegt. Seine anwaltliche Tätigkeit hat er in den letzten Jahren ganz zugunsten der verlegerischen und publizistischen Arbeit aufgegeben. Besonders auf Bitten von Amnesty International' hat ihn jetzt die Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte' zu einem einjährigen Aufenthalt in Deutschland eingeladen. So ist Okcuoglu wenigstens für eine befristete Zeit fern des Zugriffs türkischer Behörden. Mit einer einmaligen Spende hat ihm JhJ eine kleine Stütze für sein Leben im befristeten Exil überweisen. Nach Ablauf des Jahres in Hamburg wird er wieder zurück in die Türkei fliegen müssen, falls ihm in Deutschland kein Asyl gewährt wird, das er unter dem Eindruck einer erneuten Verurteilung im November 2002 beantragt hat. Und niemand vermag derzeit zu sagen, ob sich die Situation der kurdischen Minderheit in der Türkei im Gefolge einer Zuspitzung des Irak-Konfliktes nicht in absehbarer Zeit wieder deutlich verschlechtern wird. Carl Wilhelm Macke
|
||