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| Juli 2010: Ein gefährliches Gefühl Mai 2010: Journalismus in der Gefahrenzone April 2010: Tödliche Länder für Journalisten Februar 2010: Unter Feuer - Journalismus in Somalia Dezember 2009: |
Die große Story Journalistenmorde können, man glaubt es kaum, sogar Themen von Gedichten sein. William Carlos Williams, einer der "Väter" der modernen amerikanischen Lyrik, hat eines seiner Gedichte den Titel "To a Dead Journalist" gegeben. An einer Stelle heißt es dort :"But rumors of the news,/ unrealizible,/ cling still among those/ silent, butted features,/ sort of wonder at this scoop". Hans Magnus Enzensberger übersetzt die Zeile: " Doch geht die Nachricht,/ ungreifbar, um/ wie ein Gerücht in den/ verstummten und geschlagenen Zügen,/ als spürten sie zu spät/ die große Story". Eine große Story war in diesem Herbst sicherlich die Ermordung der russischen Journalistin Anna Politkowskaja, die ein grelles Schlaglicht geworfen hat auf den Zustand der Pressefreiheit im Rußland des Wladimir Putin. Es gab und gibt weiterhin Protestaktionen in vielen europäischen Ländern gegen diesen Mord, vor allem aber gegen den skandalösen Umgang regierungsamtlicher Stellen in Rußland mit unabhängigen Journalisten. Im Schatten dieser "großen Story" um Anna Politkowskaja haben sich aber weltweit noch weitere Killer-Aktionen gegen Journalisten ereignet, die nur von den ,Reportern ohne Grenzen' und anderen Menschenrechtsorganisationen wahrgenommen wurden. Wen interessieren denn noch die Nachrichten über ermordete Journalisten im Irak? Seit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen sind 123 Journalisten und Medienmitarbeiter im Rahmen ihrer Berufsausübung getötet. Allein in der ersten Hälfte des Monats November 2006 wurden sieben Journalisten Opfer von Anschlägen. Unter anderen wurde Qussai Abass, ein Reporter von ,Tariq Al-Shaab' auf dem Weg zu seiner Redaktion erschossen. Muhammed Al-Ban, ein Repoerter und Kameramann der irakischen Fernsehgesellschaft ,Al-Sharqiya' wurde in Mosul auf offener Strasse ermordet. Alle im November getöteten Journalisten arbeiteten im Auftrag irakischer Medien. Es handelte sich ja ,nur' um irakische Journalisten und für die interessiert sich in Europa ohnehin kaum noch jemand. Weitere Ermordungen von Journalisten jenseits der "großen Story", haben sich im Jahr 2006 vor allem in Mexiko ereignet. Betroffen sind hier bis auf eine Ausnahme Journalisten, die im Milieu der Rauschgiftbanden recherchiert haben. Misael Tamayo Hernàndez zum Beispiel, der Herausgeber der Tageszeitung "El Despertar de la Costa" im Süden Mexikos, wurde Anfang November brutal, vermutlich von Auftragskillern eines lokalen Rauschgiftsyndikats hingerichtet. Roberto Marcos Garcìa, ein anderer, im Milieu der organisierten Kriminalität recherchierender Reporter, wurde laut Polizeiauskunft von seinem Motorrad gerissen und dann mit zwölf Schüssen getötet. Auch ein amerikanischer Bildreporter ist unter den in diesem Jahr in Mexiko ermordeten Journalisten. Bradley Will wollte im Oktober den Protest der Bevölkerung in Oaxaca gegen ihren autoritären Gouverneur dokumentieren. Es wird vermutet, daß Will von korrupten paramilitärischen Banden erschossen wurde. In Europa wird die in den letzten Monaten zugenommene Eskalation der Gewalt in Mexiko, der auch so erschreckend viele Medienmitarbeiter zum Opfer fallen, kaum zur Kenntnis genommen. Das sind keine Nachrichten und ,großen Stories', mit denen man hier in den Medien einen Scoop landen kann. Und beschränkt sind auch die Möglichkeiten für europäische Journalisten auf den ,killing fields' im Irak oder in Mexiko helfend zu intervenieren. Aber als Profis der Wahrnehmung können Journalisten wenigstens versuchen, auch jenseits der ,großen Story' die Aufmerksamkeit für die ,kleinen dramatischen Stories' in der eigenen Berufswelt nicht zu verlieren. Carl Wilhelm Macke
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