Juli 2010:
Ein gefährliches Gefühl

Mai 2010:
Journalismus in der Gefahrenzone

April 2010:
Tödliche Länder für Journalisten

Februar 2010:
Unter Feuer - Journalismus in Somalia

Dezember 2009:
Kein Held und kein Märtyrer

Oktober 2009:
Nach der Trauer die Ermutigung

März 2009:
Gefährlicher Einsatz

Mai 2008:
Mut zur Skepsis

November 2007:
Helft Milan!

Januar 2007:
Radio Eriwan und das Asylrecht

November 2006:
Die große Story

August 2006:
Stimme des "anderen Serbien"

April 2006:
Wo liegt Moldawien?

Februar 2006:
JhJ-Netzwerk - Was ist das?

November 2005:
Endlich Tränen der Freude

September 2005:
Wem es gut geht

Mai 2005:
Haiti cherie

Januar 2005:
Im Schatten vom Tsunami

November 2004:
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September 2004:
Gift der Gewöhnung

Juli 2004:
Ein kubanischer Fall

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Laudatio auf Dzevad Karahasan

November 2003:
Vergessen in der Freiheit

Oktober 2003:
Simpson´s World

Juni 2003:
Drei tote Journalisten

März 2003:
Befristetes Exil

November 2002:
Back to my profession

August 2002:
Drei Opfer

Juli 2002:
Ohne Schutz

April 2002:
Tödliche Recherchen

Dezember 2001:
Fern auf dem Balkan

März 2001:
Badache

Februar 2001:
Neuanfang

Simpson's World...
 
Kamran Abdulrazaq war 23 Jahre alt, als er Mitte März in der nord­irakischen Stadt Arbil Bekanntschaft mit dem britischen Star-Reporter der BBC, John Simpson machte. Simpson war auf aben­teuerliche Weise in den Nord­irak gekommen, um für sein Programm "Simpson's World" über den Irak-Krieg zu berichten. Für diese Bericht­erstattung suchte er einen orts­kundigen Ueber­setzer, der auch als Stringer/Fixer auftreten konnte. Die Konkurrenz unter den Journa­listen war gross, Ueber­setzer bekamen zu diesem Zeit­punkt für die Be­dingungen des Nord-Iraks Traum­ange­bote zwischen 30 und 100 $ pro Tag. Mit Kamran einigte Simpson sich auf eine Tages­rate von 50$, wie Kamrans gleich­altrigen Freunde Mahmood und später sagten, hatte ihr Freund dieses Angebot an­ge­nommen, weil seine Familie dringend Geld brauchte. Vor mehreren Jahren war Kamran's Vater gestorben, als ältester von insgesamt 7 Geschwistern, war Kamran das Familien­ober­haupt und alleiniger Geld­verdiener.
 
Kamran sprach ziemlich gut englisch, und be­trachtete es als eine grosse Chance, mit der BBC unter­wegs zu sein, war dann aber vom forschen Auf­tritt Simpsons ein­geschüchtert. Simpson zog es auch im Norden Iraks, wie schon in Afghanistan und auf dem Balkan, immer wieder an die Front. Bekannt wurde derüber 60jährige Journa­list, als er mit seinem Team zu Fuss Kabul erreichte, lange vor den Amerikanern. Mehr­mals geriet das Team auch im Nord-Irak in Gefahr. Gegen­über seinen Freunden hat Kamran gesagt, er sei sehr besorgt. "Dieser Mann wird uns alle umbringen" soll er gesagt haben. Am 6. April ergab sich dem Team der BBC die Gelegen­heit, zusammen mit dem Bruder des "Peshmerga"- Führers Barsani und  ameri­kanischen Spezial­ein­heiten in Richtung Mosul zu ziehen. Seiner Mutter sagte Kamran nach Angaben seines Freundes Mahmood, "ich mache das noch, dann komme ich nach Hause und arbeite nicht mehr mit ihm".
 
Die Gegend um Mosul war in den Tagen zuvor schwer bombar­diert worden, man er­wartete, dass sich die irakischen Truppen zurück­ziehen oder ergeben würden, wie zuvor schon bei Kirkuk, wo Simpson auch wieder an vorders­ter Front berichtete.  Auf halbem Wege zwischen Arbil und Mosul hielt der Konvoi unweit der Orts­schaft Mahkmur an. Neben Simpsons Team war auch noch ein CNN Team und mehrere Zeitungs­jour­nalisten zugegen. In der Ferne war ein irakischer Panzer aus­zumachen, der offen­bar noch besetzt war. Näher zum Konvoi stand ein bereits aus­gebombter Panzer. DIe Journa­listen und die kurdischen Peshmerga's ver­folgten, wie zwei F 15 Kampf­flug­zeuge zu einem Angriff ansetzte. Die Koordi­naten hatten die ameri­kanischen Offiziere durch­gegeben. Anstelle des noch intakten Panzers, griff der Pilot dann aber den bereits ver­nichteten aber noch rauchenden Panzer an, in dessen un­mittel­barer Nähe der Konvoi aus Erbil sich auf­hielt. Eine Bombe schlug nur rund zehn Meter entfernt von Simpsons Team ein. Der Angriff wurde zwar sofort ein­gestellt, als die Spezial­einheiten den Piloten den Fehler meldeten, für Kamran und rund 10 weitere Personen kam dies aber zu spät. Seine beiden Beine wurden unter dem Knie weg­gerissen, Splitter durch­bohrten seinen Körper. Auch Simpson wurde leicht verletzt, blutete aus einem Ohr. Im Gegen­satz zu seinem Ueber­setzer trag er aber eine kugel­sichere Veste, was ihm, wie er später berichtete, das Leben ge­rettet haben dürfte. Trotz seiner Ver­letzung gelang es Simpson nur Minuten nach dem Unglück über Satellit einen Bericht abzu­setzen. In der Zwischen­zeit verlor Kamran viel Blut. Rund zwanzig Minuten später war er tot.
 
Schockiert zeigten sich die Freunde und die Familie von Kamran darüber, dass John Simpson nicht bei der Beerdigung anwesend war - im Gegensatz zu seinem CNN Kollegen - und dass die BBC bis heute keiner­lei Ab­findung aus­gezahlt hat. In Simpson's World hatte Kamran offenbar nichts mehr verloren. (JhJ hat den Angehörigen von Kamran eine Spende zukommen lassen...)

 
Werner van Gent
Korrespondent Schweizer Fernsehen SF DRS