März 2012:
Muxubooy, was hast du heute gesehen?

Februar 2012:
17 Monate auf der Flucht

Januar 2012:
Schweigen ist das schlimmste Verbrechen

Oktober 2011:
Gib dem Herrn und der Frau die Hand

September 2011:
In Gedenken an Egon Scotland

Juli 2011:
Angst ist keine Lösung

Juni 2011:
Auf eine Landmine getreten

Februar 2011:
Dem anderen entgegen

Januar 2011:
Gestorben in Gefängnishaft

Dezember 2010:
Gefüllte Benzinkanister
vor der Tür


November 2010:
Wir haben auch eine Verantwortung

Oktober 2010:
Gegen Steinigung und Korruption

September 2010:
Aus der Schusslinie

Juli 2010:
Ein gefährliches Gefühl

Mai 2010:
Journalismus in der Gefahrenzone

April 2010:
Tödliche Länder für Journalisten

Februar 2010:
Unter Feuer - Journalismus in Somalia

Dezember 2009:
Kein Held und kein Märtyrer

Oktober 2009:
Nach der Trauer die Ermutigung

März 2009:
Gefährlicher Einsatz

Mai 2008:
Mut zur Skepsis

November 2007:
Helft Milan!

Januar 2007:
Radio Eriwan und das Asylrecht

November 2006:
Die große Story

August 2006:
Stimme des "anderen Serbien"

April 2006:
Wo liegt Moldawien?

Februar 2006:
JhJ-Netzwerk - Was ist das?

November 2005:
Endlich Tränen der Freude

September 2005:
Wem es gut geht

Mai 2005:
Haiti cherie

Januar 2005:
Im Schatten vom Tsunami

November 2004:
Help me

September 2004:
Gift der Gewöhnung

Juli 2004:
Ein kubanischer Fall

April 2004:
Laudatio auf Dzevad Karahasan

November 2003:
Vergessen in der Freiheit

Oktober 2003:
Simpson´s World

Juni 2003:
Drei tote Journalisten

März 2003:
Befristetes Exil

November 2002:
Back to my profession

August 2002:
Drei Opfer

Juli 2002:
Ohne Schutz

April 2002:
Tödliche Recherchen

Dezember 2001:
Fern auf dem Balkan

März 2001:
Badache

Februar 2001:
Neuanfang

25 Jahre "Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte"

Eigentlich müsste die Hilfe für politisch Verfolgte in Deutschland doch selbst­verständlich sein. Vor dem Hintergrund der deutschen Ge­schichte im XX. Jahr­hun­dert, vor­nehmlich natürlich mit dem Wissen um die Ver­brechen in den Jahren der Nazi-Herr­schaft, denen Millionen von Menschen zum Opfer fielen und die Millionen von Menschen zwan­gen, ihre Heimat zu ver­lassen, ist doch jedes Wort zur Ver­tei­digung po­li­tisch Ver­folgter über­flüssig. Eigent­lich müsste man nicht immer wieder neu den Sinn und die Not­wendig­keit dieser Arbeit in der Öffentlich­keit be­tonen, um öffent­liche Gel­der zu be­antragen oder private Spon­soren zu um­werben. Eigent­lich müsste das Grund­recht auf po­li­tisches Asyl doch voll­kommen un­um­stritten sein in einem Land, dessen heutige frei­heit­liche Kul­tur ohne die Ver­dienste der vor den Nazis ins Exil ge­flo­henen Intellektuellen und Po­li­tiker gar nicht denk­bar ist. Aber die Reali­tät sieht anders aus und die "eigent­liche Selbst­ver­ständlich­keit" ist in den letzten Jahren bis zur Un­kennt­lich­keit ver­waschen worden.
Man muß dazu nur einmal Kon­takt auf­nehmen mit Ver­tre­tern von "Pro Asyl", vom Flüchtlings­dienst der Je­suiten oder von der "Ham­burger Stiftung für poli­tisch Ver­folgte". Von ihnen kann man dra­matische Ge­schichten von Flücht­lingen und Ver­folgten er­fahren, die an der büro­kra­tischen Kälte deutscher Asyl­behörden und ihrer Aus­legung von Auf­enthalts­gesetzen ge­scheitert sind. Mit Worten ist es leicht, Men­schen­rechts-Ideale in Sonntags­reden zu ver­künden, aber mit praktischen Hilfen sieht es oft schon sehr viel schwieriger aus. Gerade in Zeiten wirt­schaft­licher Krisen werden Intellektuelle, Schrift­steller, Künstler, Jour­nalisten immer häufiger ge­zwungen, ihre Länder mit wenig ent­wickelten De­mokratien oder hoch ent­wickelten Dik­taturen zu ver­lassen.
In diesen für die be­troffenen Ver­folg­ten oft dra­ma­tischen exis­tenzi­ellen Not­situa­tionen ist es wichtig, in Kon­takt mit Ini­tia­tiven, Or­gani­sa­tionen, Insti­tu­tionen und Stif­tungen zu stehen, auf deren Er­fahrungen und deren Hilfen man sich ver­lassen kann. Und viel­leicht noch wichtiger ist es, auch die Menschen zu kennen, die sich nicht hinter Akten oder - um es zeit­ge­mäßer zu sagen - hinter Dis­ketten und Mail-Pro­grammen ver­stecken, sondern immer an­sprech­bar sind, bei der oft schwie­rigen lo­gis­tischen Hilfe für po­li­tisch Ver­folgte. Denn wie auch schon in anderen, dunkleren Zeiten der deutschen Ge­schichte, gibt es immer auch hu­man und so­li­da­risch ge­sonnene Men­schen, die sich lebens­pra­gmatisch und ‚selbst­ver­ständlich’ für Ver­folgte ein­setzen.
Bei der ganz offiziell vom Ham­burger Senat ge­för­derten "Ham­burger Stif­tung für po­li­tisch Ver­folgte" haben sich da in den 25 Jahren ihrer Exis­tenz Kom­pe­tenzen und Er­fahrungen an­ge­sammelt, die in Deutsch­land viel­leicht ein­malig sind. In­zwischen ist die Zahl von Schrift­stellern, Jour­nalisten, Intellekt­uellen oder ganz all­gemein von Menschen­rechts­aktivistinnen aus aller Welt kaum noch über­schau­bar, denen von dieser In­stitu­tion nicht nur mit Worten, sondern ganz prak­tisch mit einem Sti­pen­dium ge­hol­fen wurde. Als sich zum Beispiel in Deutsch­land kein Mensch (außer vielleicht "amnesty"-Gruppen) für die ka­tas­trophale Menschen­rechts­situation in Tu­nesien unter dem Ben-Ali-Clan inter­essierte, unter­stützte die "Ham­burger Stiftung" bereits oppo­si­tionelle tu­nesische Jour­nalisten. Und wer etwas wissen möchte über den Stand der Presse- und Meinungs­frei­heit in Russ­land und im Kau­kasus, der sollte sich einmal mit dieser Stif­tung in Ver­bindung setzen. Man wird ihn schnell mit ein­schlägigen In­for­ma­tionen ver­sorgen.

Als Jakob Grimm nach seinem zusammen mit anderen Professoren vor­ge­tra­genen Pro­test gegen den Ver­fassungs­bruch ihres Landes­herrn der Uni­versität und des Landes ver­wiesen wurde, hörte er jen­seits der Grenzen des Königs­reiches Hannover eine Groß­mutter zu ihrem Enkel sagen: "Gib dem Herrn die Hand, er ist ein Flüchtling". Die "Ham­burger Stif­tung für po­li­tisch Ver­folgte" steht genau in der Tra­di­tion dieser ein­fachen Bauers­frau aus dem Kur­hessischen. Flücht­lingen zu helfen so gut es geht, ist doch nichts weiter als eine Form des An­stands, eigent­lich eine Selbst­ver­ständlich­keit. Eigentlich...

Carl Wilhelm Macke