Juli 2010:
Ein gefährliches Gefühl
Mai 2010:
Journalismus in der Gefahrenzone
April 2010:
Tödliche Länder für Journalisten
Februar 2010:
Unter Feuer - Journalismus in Somalia
Dezember 2009:
Kein Held und kein Märtyrer
Oktober 2009:
Nach der Trauer die Ermutigung
März 2009:
Gefährlicher Einsatz
Mai 2008:
Mut zur Skepsis
November 2007:
Helft Milan!
Januar 2007:
Radio Eriwan und das Asylrecht
November 2006:
Die große Story
August 2006:
Stimme des "anderen Serbien"
April 2006:
Wo liegt Moldawien?
Februar 2006:
JhJ-Netzwerk - Was ist das?
November 2005:
Endlich Tränen der Freude
September 2005:
Wem es gut geht
Mai 2005:
Haiti cherie
Januar 2005:
Im Schatten vom Tsunami
November 2004:
Help me
September 2004:
Gift der Gewöhnung
Juli
2004:
Ein kubanischer Fall
April 2004:
Laudatio auf Dzevad Karahasan
November
2003:
Vergessen in der Freiheit
Oktober 2003:
Simpson´s World
Juni 2003:
Drei tote Journalisten
März
2003:
Befristetes Exil
November 2002:
Back to my profession
August 2002:
Drei Opfer
Juli 2002:
Ohne Schutz
April 2002:
Tödliche Recherchen
Dezember 2001:
Fern auf dem Balkan
März 2001:
Badache
Februar 2001:
Neuanfang |
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Wem es gut geht
"Wem es gut geht, der soll dafür sorgen, dass es anderen auch gut
geht". Von Boxidol Max Schmeling stammt diese einfache Lebensweisheit.
Sie gilt, warum nicht, vielleicht auch für das Mediengewerbe. Beispiel
München. Irgendwann im wechselhaften Sommer 2005. Biergartenwetter.
Nichts wie raus aus Büros und Redaktionen. Ein Privatradiosender hat
zur akustischen Begleitung dieses Massenexodus hinein in die Gärten
der großen lokalen Brauereien und kleinen Kneipen einen eigenen
'Biergarten-Korrespondenten' auf die Piste geschickt. Natürlich -
schließlich sind wir in München - reicht dazu keine bescheidene
PS-Kutsche. Ein neuer Porsche muß es schon sein, obwohl auch der durch
die innerstädtischen Staus oft nur im Schritttempo fahren kann. Egal,
in München protzt man gerne. Nur wer seinen Reichtum zeigt, wird in
dieser barocken Gold & Klunkerstadt auch zur Kenntnis genommen.
Entsprechend glauben sich auch die diversen privaten Radiostationen
ortsüblich präsentieren zu müssen. Also hetzt ein Reporter von einem
Biergarten zum anderen in einem Porsche mit dickem Werbeschriftzug des
entsprechenden Privatsenders. Nun gut, wenn sich der Sender diesen
journalistischen Luxus-Service leisten kann...
Aber gilt nicht auch hier
die einfache ‚Max-Schmeling-Formel'? Unter den Aktiven wie unter den
Sponsoren von JhJ sind Mitarbeiter, geschweige denn die Besitzer von
privaten Funkmedien kaum vertreten. Niemand hindert sie, auch einmal
die gesellschaftlichen Realitäten jenseits der lokalen Medien- und
Schein(e)welt, zur Kenntnis zu nehmen. Aber Gedanken über die
Notwendigkeit einer Solidarität mit verfolgten Journalisten in aller
Welt und für die Angehörigen ermordeter Kollegen scheint es bei den
lokalen Spaßkanälen nicht zu geben.
Vielleicht jedoch fehlen in den
Redaktionen und den Büros der einschlägigen Sender und Medien nur
Informationen über die konkrete Notsituationen von Journalisten in
verschiedenen Ländern? Da kann man nachhelfen: Hier eine kleine Auswahl
von Hilfsgesuchen, die in der letzten Zeit an den Verein 'Journalisten
helfen Journalisten' herangetragen worden sind: die Frau eines in der
Milosevic'-Ära malträtierten und inzwischen verstorbenen
Fernsehjournalisten aus Sarajewo bittet um Hilfe zum Kauf teurer
Medikamente für den schwer erkrankten Sohn. Journalisten aus Haiti,
einem der ärmsten Länder der Welt in dem der Kampf um Pressefreiheit
derzeit mörderisch ist, fragen, ob deutsche Kolleginnen und Kollegen
die Familie eines ermordeten Journalisten unterstützen könnten. Eine
russische, besonders Putin-kritische Journalistin, fragt ob JhJ sie bei
einer dringend notwendigen Zahnoperation unterstützen könnte. Eine
armenische, derzeit in Deutschland lebende Journalistin bittet um
Unterstützung in ihrem Prozess um Anerkennung als Asylbewerberin. Ein
botswanischer Journalist ist gezwungen, sein Land zu verlassen, weil er
wegen regierungskritischer Berichterstattung um sein Leben bangen muß.
Er bittet, dass JhJ ihn im Exil unterstützt. Die Ehefrau eines in
Deutschland lebenden und heute psychisch schwer erkrankten
montenegrinischen Journalisten, fragt, ob JhJ dem einzigen Sohn bei der
Beschaffung eines neuen Computers helfen kann. Noch sind nicht alle
Rechnungen für die Operationen eines bei einem Selbstmordanschlag
schwer verletzten irakischen Journalisten bezahlt. Wenn man in der
Redaktion des privaten Lokalradios statt eines teuren Prestigeautos eine
ganz normale Mittelklasse-Marke für den Biergarten-Reporter angeschafft
hätte, könnte man aus der Differenz in fast allen der geschilderten
Fälle helfen. Oder, mit den Worten von Max Schmeling: man hätte dafür
gesorgt, dass es anderen auch gut geht, wenn es einem selber gut geht.
An die Summen der Schmiergelder, mit denen einige bekannte
Sportjournalisten korrumpiert worden sind, soll hier gar nicht erst
erinnert werden....
Carl Wilhelm Macke |
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