August 2008:
Netzwerk der Helfer (pdf-Datei)

Oktober 2007:
Zum 100. Geburtstag von Varian Fry

August 2007:
Tunnelblick im Feuilleton (pdf)

Mai 2007:
Es herrscht Ruhe im Land

Januar 2007:
Zum Tod von Ryszard Kapuscinski

Oktober 2006:
Civil Globalisation

Juni 2006:
Erinnerung an Ilaria Alpi

Februar 2006:
Sie liebte ihr Land

November 2005:
Tränen der Freude (pdf-Datei)

März 2005:
Hilfeschreie (pdf-Datei)

Dezember 2004:
Eine verwüstete Landschaft

September 2004:
El veneno de la habituacion (pdf-Datei)

Pressemitteilung
Januar 2004:
Leipziger Medienpreis 2004

Dezember 2003:
Preis für Toleranz

August 2003:
Unabhängiger Journalismus im Irak

Juli 2003:
Der Krieg nach dem Krieg

April 2003:
Zum Tod von Herbert Riehl-Heyse

März 2003:
Gespräch mit Christiane Schlötzer-Scotland

März 2003:
Zehn Jahre JhJ

Unabhängiger Journalismus im Irak

Ein Computer, ein Laptop und ein Drucker, aufgestellt in der Lobby eines kleinen Hotels im Zentrum von Bagdad: So entsteht im Irak eine Zeitung, zumindest dann, wenn es gerade einmal Strom gibt. Das Blatt hat zwei Titel, al-Muajaha und The Iraqui Witness, denn als einzige der vielen neuen Zeitungen erscheint es zweisprachig auf Arabisch und auf Englisch. Und es hat ein großes Ziel: "Wir wollen eine total un­ab­hängige Zeitung machen", sagt Majid Azzam Garrar.
Zusammen mit ein paar Gleich­gesinnten hat er die Wochen­zeitung aus der Taufe gehoben. Mittler­weile besteht die Redaktion aus 16 Mit­arbeitern im Alter von 16 bis 52 Jahren, die ohne Chef­redakteur und ohne Lohn arbeiten. Zeugnis abliefern wollen die Journa­listen von den Schwierig­keiten des Umbruchs in ihrem Land. Sie berichten über die Auf­arbeitung der Ver­brechen des alten Regimes, über Aufruhr an den Universi­täten, über das neu auf­lebende Kultur­leben oder über verbale Ent­gleisungen Donald Rumsfelds - alles sehr engagiert, vieles sehr subjektiv. Und was sie neben ihrem Enthusi­asmus vor allem aus­zeichnet, ist die mangelnde Er­fahrung. Denn keiner von ihnen war früher bei den vom Präsidenten­sohn Uday Hussein diri­gierten staat­lichen Medien ange­stellt, keiner war also invol­viert in die Re­gierungs­pro­pa­ganda.
Mit der an­ge­strebten Unab­hängig­keit ist es den­noch nicht so leicht. Denn hinter den meisten der etwa 20 anderen Zei­tungen, die sich seit dem Sturz Saddam Husseins im Land ge­grün­det haben und nun von fliegenden Händlern an jeder Straßen­ecke ver­breitet werden, stecken mehr oder weniger finanz­starken Parteien. Die Medien sind schnell zum Mittel im Macht­kampf geworden. Die Exil-Gruppen, die funda­menta­listischen Schiiten, die Kurden und alle, die sonst noch mit­spielen wollen im Bag­dader Polit­poker, stecken auch hier ihr Feld ab.
Die Macher von al-Muajaha jedoch möchten sich nicht fest­legen oder verein­nahmen lassen, auch wenn sie mit jedem der 3000 gedruckten Exemplare ihrer ersten Ausgabe Geld ver­loren haben. "Wir wollen eine Bühne sein für jeden und so viele Meinungen ab­drucken, wie wir können", sagt Majid Azzam Garrar. Grenzen gibt es offen­bar keine, sie sind verliebt in den neuen Plura­lismus. "Natürlich würden wir es auch drucken, wenn einer schreibt, warum er Saddam liebt." So einfach wird sich da aller­dings kein Autor finden lassen. Ziemlich leicht scheint es aller­dings zu sein, Kritiker des US-Engage­ments zu finden. Ätzende Kommen­tare zur mangelnden Sicher­heit und zum Chaos im Land ziehen sich jeden­falls durchs Blatt.
Auf Unabhängig­keit besteht al-Muajaha also auch gegen­über den ameri­kanischen Aufbau-Helfern, die sich mittler­weile recht eifrig um die Medien­land­schaft kümmern. Das staatliche Fern­sehen und Radio sendet wieder, jetzt als Organ der US-Zivil­ver­waltung. An­gestellt sind die dortigen Journa­listen, die zumeist als den alten Re­daktionen über­nommen wurden, beim ameri­kanischen Amt für Wieder­aufbau und humani­täre Hilfe, das dem Penta­gon unter­stellt ist. Bei al-Muajaha aber sagen sie, dass sie lieber zu­zahlen als sich be­zahlen zu lassen.
(Quelle: SZ, 28.6.2003)

Peter Münch