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Zehn Jahre JhJ |
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Letzter Auftritt einer mutigen Reporterin
Aufständische entführen und töten eine bekannte irakische Journalistin, die
aus ihrer Heimatstadt Samarra berichten wollte.
In ihrem letzten Auftritt trägt die Fernsehreporterin Atwar Bahjat ein
Kopftuch, ihre Augen sind geschminkt und blicken direkt in die Kamera. Der
arabische Sender al-Arabija zeigte den Bericht seiner prominenten
Irak-Korrespondentin am Donnerstagmorgen. Da war die junge Frau schon tot.
Ihre Leiche wurde am Vormittag am Ortsrand von Samarra gefunden, jenem
Ort, in dem am Tag zuvor Attentäter eine der heiligsten Stätten der
schiitischen Moslems in die Luft gesprengt hatten. Atwar Bahjat war dort,
um über Reaktionen auf das Ereignis zu berichten. Sie war eine der wenigen
Frauen, die sich als Reporterinnen im Irak an die Frontlinie wagten, wobei
diese Front überall sein konnte, im Zentrum von Bagdad oder eben 125
Kilometer nördlich davon, in Samarra.
Man kann annehmen, dass der Auftrag, nach Samarra zu fahren, für die
26-Jährige besonders heikel war, denn Samarra war ihre Heimatstadt. "Wir
wollen die Reporterin", rief ein bewaffneter Mann und feuerte plötzlich aus
einer Menschenmenge heraus in die Luft, während Atwar Bahjat in ihrem Übertragungswagen saß. Sie rief um Hilfe. Da packten Bewaffnete die
Journalistin, ihren Kameramann Adnan Khairallah und dessen Ton-Kollegen
Khaled Mohsen. Sie zerrten sie aus dem Wagen, stießen sie in ein anderes
Auto und brausten davon. So schildert es ein weiterer Mitarbeiter von
al-Arabija, der entkam. Sehr weit brachte man die Entführten nicht, wie der
Fundort der drei Leichen später zeigte.
Atwar Bahjat war Sunnitin; schon das machte sie für ihre Angreifer offenbar
zur Feindin. Aber das ist nicht alles: Die Journalistin wollte sich in dem
Konflikt nicht auf eine Seite schlagen. "Sie liebte ihr Land, und sie starb
wegen ihrer Unabhängigkeit", sagte Ahmed al-Saleh, ein Kollege von
al-Arabija. Erst jüngst war die Reporterin zu diesem Satellitensender
gewechselt. Er gilt als weniger reißerisch als der Konkurrent al-Dschasira,
für den Atwar Bahjat zuvor gearbeitet hat. Acht Mitarbeiter hat al-Arabija
seit Beginn der US-geführten Invasion im Jahr 2003 im Irak verloren,
getötet von amerikanischen Truppen oder Aufständischen. 60 tote
Journalisten wurden seit Kriegsbeginn insgesamt im Irak gezählt.
Gleich im ersten Kriegsjahr war Bahjats Name in den Medien aufgetaucht. Die
mutige Frau war kurzzeitig von US-Truppen festgesetzt worden, nachdem sie
aus nächster Nähe über Bombenangriffe auf Bagdad berichtet hatte. Von Christiane Schlötzer ( Quelle: SZ, 24.2.2006 ) |
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