![]() |
||||
![]() |
||||
| August 2008: Netzwerk der Helfer (pdf-Datei) Oktober 2007: August 2007: Mai 2007: Januar 2007: Oktober 2006: Juni 2006: Februar 2006: November 2005: März 2005: Dezember 2004: September 2004: Pressemitteilung Dezember 2003: August 2003: Juli 2003: April 2003: März 2003: März 2003: |
||||
Der Krieg nach dem Krieg Seit zehn Jahren unterstützt der Verein "Journalisten helfen Journalisten" Kollegen in Krisengebieten Thomas Schuler Neulich erreichte die Journalistin Christiane Schlötzer-Scotland ein Anruf aus Bagdad. Peter Münch, einer der Auslandschefs der Süddeutschen Zeitung (SZ), rief per Satellitentelefon an und sagte, er sitze gerade mit einigen Irakern zusammen, die eine Zeitung gegründet hätten. Sie erscheine auf Arabisch und Englisch und heiße al-Muajaha, The Iraqui Witness. Die 16 Journalisten sind so unabhängig, dass sie - im Unterschied zu anderen Neugründungen - lieber ohne Lohn arbeiten, als sich von politischen Parteien oder den Amerikanern bezahlen zu lassen. "Können wir ihnen helfen?", fragte Münch. Darauf die Journalistin: "Wie viel Geld hast du noch?" Er hatte 900 Dollar übrig. "Lass ihnen alles da", sagte sie. "Du kriegst es wieder." Münch und Schlötzer-Scotland, die für die SZ aus Istanbul berichtet, sind beide Mitglieder des Vereins "Journalisten helfen Journalisten". Am Freitag feierten sie mit weiteren Mitgliedern in München das zehnjährige Bestehen der Hilfsorganisation. Von Algerien bis Weißrussland Die Hilfe des Vereins "Journalisten helfen Journalisten" ist spontan, Dank des Netzwerks im Ausland kommen von 100 Euro, die gespendet werden, auch 100 Euro in den Krisenregionen an, weil die Mitglieder das Geld persönlich verteilen, sagt Roman Arens, der Vorsitzende des Vereins. Anders würde die Hilfe auch gar nicht funktionieren. Geld übergibt der Kollege, der zur Recherche dorthin fährt. Während des Bombardements von Serbien hatte der Verein Geld im Safe der ARD in Belgrad bereitliegen, um es jederzeit rasch verteilen zu können. 900 Dollar mögen nicht allzu viel sein in einem Land, dem es an vielem Erstmals 1977 begann eine Gruppe von Münchner Journalisten, sich im Stile
von Amnesty in Briefen für die Freilassung inhaftierter Journalisten in
Krisenregionen einzusetzen. Die Gruppe nannte sich "Journalisten helfen
Journalisten", und dieser Kreis gründete 1993 den Verein gleichen Namens.
Als einen "Auftrag der Verzweiflung" bezeichnete Schlötzer-Scotland einmal
dessen Arbeit. Die Kriegsmaschinerie zieht weiter zu einem neuen Konflikt;
zurück bleiben Verwundete, Kranke, Witwen und Waisen. Die schlimmste Zeit
ist die Zeit nach dem Krieg, wenn sich Hilfsorganisationen abwenden. Junge Kollegen fehlen Die 15 Kollegen beschlossen, sich um die Vergessenen zu kümmern. Heute sind
108 Mitglieder über ganz Europa verstreut. Was fehlt, sind jüngere
Journalisten, die sich engagieren wollen, sagt Helga Montag vom Bayerischen
Rundfunk. Und natürlich Geld. Die Mitglieder sind es zwar gewohnt, ihre
Kontakte zu vermögenden Leuten zu nutzen und zu betteln. Nach einem Essen
mit einem Banker liegen dann schon mal 1 000 Euro unter dem Teller. Spenden
reichen von 20 bis 10 000 Euro. Doch während die Spendenbereitschaft während
eines Krieges hoch sei, sei das Aufkommen momentan "deutlich rückläufig",
sagt Carl Wilhelm Macke, der in München die Geschäfte koordiniert. ( Quelle: "Berliner Zeitung", 28.Juli 2003) |
||||