August 2008:
Netzwerk der Helfer (pdf-Datei)

Oktober 2007:
Zum 100. Geburtstag von Varian Fry

August 2007:
Tunnelblick im Feuilleton (pdf)

Mai 2007:
Es herrscht Ruhe im Land

Januar 2007:
Zum Tod von Ryszard Kapuscinski

Oktober 2006:
Civil Globalisation

Juni 2006:
Erinnerung an Ilaria Alpi

Februar 2006:
Sie liebte ihr Land

November 2005:
Tränen der Freude (pdf-Datei)

März 2005:
Hilfeschreie (pdf-Datei)

Dezember 2004:
Eine verwüstete Landschaft

September 2004:
El veneno de la habituacion (pdf-Datei)

Pressemitteilung
Januar 2004:
Leipziger Medienpreis 2004

Dezember 2003:
Preis für Toleranz

August 2003:
Unabhängiger Journalismus im Irak

Juli 2003:
Der Krieg nach dem Krieg

April 2003:
Zum Tod von Herbert Riehl-Heyse

März 2003:
Gespräch mit Christiane Schlötzer-Scotland

März 2003:
Zehn Jahre JhJ

Erinnerung an Ilaria Alpi

Niemand, so ist zu vermuten, kennt in Deutschland den Namen Ilaria Alpi.  Auch Journalistinnen und Journalisten dürfte dieser Name un­be­kannt sein, obwohl es sich um eine italienische Kollegin handelt, die unter spektakulären Um­ständen ihr Leben ver­loren hat. Er­mordet wurde sie bereits 1994, aber einer vor­bildliche Initiative ist es zu verdanken, dass Ilaria Alpi bis heute unter italienischen Jour­na­listen nicht ganz vergessen ist. Der Reihe nach:

Ilaria Alpi wurde im Mai 1961 in Rom geboren.  Schon während der Schul­zeit liebte sie es,  wann immer es möglich war, zu verreisen. Nach England, nach Tunesien.  Früh begann sie, die römischen Fenster zu öffnen, um die Welt kennen zu lernen, neue Orte, unbekannte Völker, fremde Kulturen.  Be diesen Reisen führte sie immer eine Tage­buch und so wuchs vielleicht allmählich auch ihr Interesse für den Journa­lismus. Zunächst studierte sie aber noch an der römischen  Universi­tät  Literatur­wissen­schaft und orientalische Sprachen zu studieren.  Nach dem Studium war es ihr erster Wunsch, endlich Kairo kennen zu lernen. Drei Jahre blieb sie dann dort, wo sie auch ihre ersten journa­listischen Er­fahrungen als freie Mit­arbeiterin verschie­dener italieni­scher Tages­zeitungen, von der kommunis­tischen Tages­zeitung L’Unità bis hin zum liberal­kon­serva­tiven "Corriere della Sera" sammelte. Wegen ihrer glänzenden Kenntnisse der arabischen Sprache und der Kulturen des ara­bischen Raumes begann sich auch die RAI für Ilaria Alpi zu interessieren. Ihre ersten Auslands­stationen waren Paris, Marokko, Belgrad, Zagreb. Dann entdeckte Ilaria ihre ganz besondere Liebe zu Somalia, wo sie sich sieben Mal auf­gehalten hat. Zuletzt war sie dort im März 1994, um eine Rund­reise durch Somalia zu machen. Ihr letzter Beitrag für die RAI war ein Gespräch mit Abdullahy Mussa Bogor, dem Sultan der somalischen Stadt Bosaso.  Unter anderem ging es in diesem Gespräch auch über die mysteriösen Hinter­gründe eines Waffen­trans­ports von Italien nach Somalia.  An einer journa­listischen Auf­klärung dieses Deals war Ilaria Alpi sehr inter­essiert.  Vermuten kann man, dass ihre Ermordung zusammen mit dem Kamera­mann am 20. März 1994 in einem Kontext stand mit ihren fort­ge­schrittenen Re­cherchen über den illegalen Abfall­transfer von Italien nach Somalia.  In den Verhandlungen der Parla­men­tarischen Unter­suchungs­kommission über den "Fall Ilaria Alpi" wurden die Rolle des or­ga­nisierten Ver­brechens im  Geschäft der inter­nationalen Abfall­wirt­schaft  deutlich heraus­gestellt.  So unerklärlich war also offen­sichtlich der Tod von Ilaria Alpi und ihres Kamera­mannes nicht...

Außer Ilaria Alpi sind weitere italienischen Journa­listinnen und Journa­listen im Rahmen ihrer Tätig­keit als Korres­pondenten in Kriegs- und Krisen­gebieten getötet worden: 1987 der triestiner Journa­list Almerigo Grilz in Mozambique. Anfang 1994 die drei RAI-Mit­arbeiter Marco Luchetta, Alessandro Ota und Dario D’Angelo in Mostar/ Bosnien.  Eben­falls in Somalia wurde im Februar 1995 der RAI-Journalist Marcello Palmisano er­mordet. Im Oktober 2000 wurde im Rahmen seiner Recherchen über  die "ethnischen Säuberungen" im Kosovo Antonio Russo von "Radio Radicale", einem privaten Radiosender, ermordet. In Afghanistan wurde im November 2001 zusammen mit drei Kollegen Maria Grazia Cutuli vom mailänder  "Corriere della Sera" heimtückisch getötet.  Im August 2004 dann wurde im Irak Enzo Baldoni vom Wochen­magazin "Il Diario" bar­barisch um­gebracht. Außerhalb Italiens hat man von dieser ‚dunklen Seite’ des Journa­lismus nie etwas vernommen. Nur von den Privat­sendern des Silvio Berlusconi und seinen "Hof­journalisten"  war jetzt in der Bericht­erstattung anlässlich der Wahlen  ständig die Rede. Wen interessiert da schon, dass es in Italien seit Jahren bereits einen der Erinnerung an Ilaria Alpi gewidmeten Journa­listenpreis gibt,  den u.a. auch der polnische "Welt­journalist" Ryszard Kapuscinski erhalten hat. Die Freunde von Ilaria Alpi haben auch eine, leider nur zu einem Teil in englischer Sprache verfasste, Homepage ein­gerichtet, die aus­gezeichnet über weltweite Verstöße gegen Presse- und Meinungs­freiheit berichtet (www.ilariaalpi.it).  "Per non dimenticare", um weder Ilaria Alpi noch die anderen in der Ausübung des journalistischen Berufs getöteten Journa­listinnen und Journa­listen zu vergessen...

Carl Wilhelm Macke