![]() |
||||
![]() |
||||
| August 2008: Netzwerk der Helfer (pdf-Datei) Oktober 2007: August 2007: Mai 2007: Januar 2007: Oktober 2006: Juni 2006: Februar 2006: November 2005: März 2005: Dezember 2004: September 2004: Pressemitteilung Dezember 2003: August 2003: Juli 2003: April 2003: März 2003: März 2003: |
||||
Erinnerung an Ilaria Alpi Niemand, so ist zu vermuten, kennt in Deutschland den Namen Ilaria Alpi. Auch Journalistinnen und Journalisten dürfte dieser Name unbekannt sein, obwohl es sich um eine italienische Kollegin handelt, die unter spektakulären Umständen ihr Leben verloren hat. Ermordet wurde sie bereits 1994, aber einer vorbildliche Initiative ist es zu verdanken, dass Ilaria Alpi bis heute unter italienischen Journalisten nicht ganz vergessen ist. Der Reihe nach: Ilaria Alpi wurde im Mai 1961 in Rom geboren. Schon während der Schulzeit liebte sie es, wann immer es möglich war, zu verreisen. Nach England, nach Tunesien. Früh begann sie, die römischen Fenster zu öffnen, um die Welt kennen zu lernen, neue Orte, unbekannte Völker, fremde Kulturen. Be diesen Reisen führte sie immer eine Tagebuch und so wuchs vielleicht allmählich auch ihr Interesse für den Journalismus. Zunächst studierte sie aber noch an der römischen Universität Literaturwissenschaft und orientalische Sprachen zu studieren. Nach dem Studium war es ihr erster Wunsch, endlich Kairo kennen zu lernen. Drei Jahre blieb sie dann dort, wo sie auch ihre ersten journalistischen Erfahrungen als freie Mitarbeiterin verschiedener italienischer Tageszeitungen, von der kommunistischen Tageszeitung L’Unità bis hin zum liberalkonservativen "Corriere della Sera" sammelte. Wegen ihrer glänzenden Kenntnisse der arabischen Sprache und der Kulturen des arabischen Raumes begann sich auch die RAI für Ilaria Alpi zu interessieren. Ihre ersten Auslandsstationen waren Paris, Marokko, Belgrad, Zagreb. Dann entdeckte Ilaria ihre ganz besondere Liebe zu Somalia, wo sie sich sieben Mal aufgehalten hat. Zuletzt war sie dort im März 1994, um eine Rundreise durch Somalia zu machen. Ihr letzter Beitrag für die RAI war ein Gespräch mit Abdullahy Mussa Bogor, dem Sultan der somalischen Stadt Bosaso. Unter anderem ging es in diesem Gespräch auch über die mysteriösen Hintergründe eines Waffentransports von Italien nach Somalia. An einer journalistischen Aufklärung dieses Deals war Ilaria Alpi sehr interessiert. Vermuten kann man, dass ihre Ermordung zusammen mit dem Kameramann am 20. März 1994 in einem Kontext stand mit ihren fortgeschrittenen Recherchen über den illegalen Abfalltransfer von Italien nach Somalia. In den Verhandlungen der Parlamentarischen Untersuchungskommission über den "Fall Ilaria Alpi" wurden die Rolle des organisierten Verbrechens im Geschäft der internationalen Abfallwirtschaft deutlich herausgestellt. So unerklärlich war also offensichtlich der Tod von Ilaria Alpi und ihres Kameramannes nicht... Außer Ilaria Alpi sind weitere italienischen Journalistinnen und Journalisten im Rahmen ihrer Tätigkeit als Korrespondenten in Kriegs- und Krisengebieten getötet worden: 1987 der triestiner Journalist Almerigo Grilz in Mozambique. Anfang 1994 die drei RAI-Mitarbeiter Marco Luchetta, Alessandro Ota und Dario D’Angelo in Mostar/ Bosnien. Ebenfalls in Somalia wurde im Februar 1995 der RAI-Journalist Marcello Palmisano ermordet. Im Oktober 2000 wurde im Rahmen seiner Recherchen über die "ethnischen Säuberungen" im Kosovo Antonio Russo von "Radio Radicale", einem privaten Radiosender, ermordet. In Afghanistan wurde im November 2001 zusammen mit drei Kollegen Maria Grazia Cutuli vom mailänder "Corriere della Sera" heimtückisch getötet. Im August 2004 dann wurde im Irak Enzo Baldoni vom Wochenmagazin "Il Diario" barbarisch umgebracht. Außerhalb Italiens hat man von dieser ‚dunklen Seite’ des Journalismus nie etwas vernommen. Nur von den Privatsendern des Silvio Berlusconi und seinen "Hofjournalisten" war jetzt in der Berichterstattung anlässlich der Wahlen ständig die Rede. Wen interessiert da schon, dass es in Italien seit Jahren bereits einen der Erinnerung an Ilaria Alpi gewidmeten Journalistenpreis gibt, den u.a. auch der polnische "Weltjournalist" Ryszard Kapuscinski erhalten hat. Die Freunde von Ilaria Alpi haben auch eine, leider nur zu einem Teil in englischer Sprache verfasste, Homepage eingerichtet, die ausgezeichnet über weltweite Verstöße gegen Presse- und Meinungsfreiheit berichtet (www.ilariaalpi.it). "Per non dimenticare", um weder Ilaria Alpi noch die anderen in der Ausübung des journalistischen Berufs getöteten Journalistinnen und Journalisten zu vergessen... Carl Wilhelm Macke |
||||