August 2008:
Netzwerk der Helfer (pdf-Datei)

Oktober 2007:
Zum 100. Geburtstag von Varian Fry

August 2007:
Tunnelblick im Feuilleton (pdf)

Mai 2007:
Es herrscht Ruhe im Land

Januar 2007:
Zum Tod von Ryszard Kapuscinski

Oktober 2006:
Civil Globalisation

Juni 2006:
Erinnerung an Ilaria Alpi

Februar 2006:
Sie liebte ihr Land

November 2005:
Tränen der Freude (pdf-Datei)

März 2005:
Hilfeschreie (pdf-Datei)

Dezember 2004:
Eine verwüstete Landschaft

September 2004:
El veneno de la habituacion (pdf-Datei)

Pressemitteilung
Januar 2004:
Leipziger Medienpreis 2004

Dezember 2003:
Preis für Toleranz

August 2003:
Unabhängiger Journalismus im Irak

Juli 2003:
Der Krieg nach dem Krieg

April 2003:
Zum Tod von Herbert Riehl-Heyse

März 2003:
Gespräch mit Christiane Schlötzer-Scotland

März 2003:
Zehn Jahre JhJ

Civil Globalisation

Wohin der Reporter Daniel Pearl auch reiste, ob im Nahen Osten oder in Asien, stets hatte er nicht nur einen Laptop, sondern auch eine Violine dabei. Pearls Mörder interessierte nur, dass er Amerikaner war und in Pakistan mutmaßlichen Al-Qaida-Terroristen auf die Spur kommen wollte.

Am 16. Mai 2002 wurde der enthauptete Leichnam des 38-Jährigen am Rand von Karatschi gefunden. Für den Mord an Pearl wurden im Juli 2002 vier Männer in Pakistan verurteilt. Einer von ihnen sagte, man habe den Reporter Pearl entführt und getötet. An den Reporter des Wall Street Journal, den glänzenden Musiker Pearl, erinnert seit vier Jahren eine Stiftung. Rund 1000 Konzerte in 60 Ländern hat sie bereits veranstaltet. Sie finden jeweils rund um den 10. Oktober, den
Geburts­tag Pearls, statt.

Auch zum Gedenken an den im Alter von 36 Jahren beim Oktober-Putsch 1993 in Moskau getöteten irischen Kamera­mann Rory Peck, der auch für die ARD arbeitete, haben Familie und Freunde eine Stiftung gegründet. Der "Rory Peck Trust" lenkt welt­weit den Blick auf die Probleme frei­beruflicher Fernseh­mit­arbeiter, die in Kriegs­situationen oft als erste im Feuer stehen.

Aus dieser Erinnerung an getötete, während ihrer Arbeit schwer­ver­letzte oder wegen ihrer Arbeit ver­folgte Journa­listen sind aber auch ermutigende Formen einer "Civil Globali­sation" ent­standen. Ein Beispiel von vielen: jüngst erhielt der Verein "Journa­listen helfen Journa­listen", der gegründet wurde in der Erinnerung an den 1991 in Kroatien getöteten SZ-Journalisten Egon Scotland, vom amerikanischen "Committee to protect Journalists" (CPJ) Informa­tionen über eine derzeit in Deutsch­land lebende usbekische Journa­listin. Galima Bukharbaeva musste ihr Land verlassen, nachdem sie wegen ihrer Bericht­erstattung über die extrem autoritäre Regierungs­politik existen­ziellen Be­drohungen aus­gesetzt war. Sie hatte sich an das CPJ gewandt, um wenigstens einen Teil der Anwalts­kosten für ein Asyl­verfahren in Deutsch­land er­stattet zu bekommen. "Journalisten helfen Journalisten" hat ihr diese Hilfe zugesagt, die schließlich auch zur offiziellen Anerkennung als politischer Flüchtling in Deutschland führte.

Einen wichtigen Platz in dieser "Civil Globalisation" auf dem Gebiet der Hilfen für gefährdete Journa­listen und Publi­zisten nimmt auch die "Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte" ein. Seit nunmehr zwanzig Jahren existiert diese offiziell vom Senat der Hanse­stadt Hamburg getragene Insti­tution, in der für eine befristete Zeit Menschen als Gäste aufgenommen werden, die sich in ihren Ländern ganz besonders für den Erhalt der Menschen­rechte ex­poniert haben. Dass in den letzten Jahren immer wieder russische und tschetschenische Journa­listen zu den Stipendi­aten der Hamburger Stiftung gehört haben, ist sicherlich kein
Zufall. Auch zur jetzt ermordeten russischen Journa­listin Anna Politkowskaja bestanden enge Be­ziehungen, auch wenn sie der Stiftung nicht als Stipendiatin verbunden gewesen ist.

Genau an dem Tag, als Anna Politkowskaja in Moskau getötet wurde, hat die in­zwischen be­kannteste jour­nalistische Hilfs­organisation "Reporter ohne Grenzen" im französischen Bayeux ein Denk­mal für die welt­weit seit 1944 gewaltsam während oder wegen ihrer Arbeit getöteten 2000 Journa­listinnen und Journa­listen ein Denk­mal enthüllt. Gedacht als Erinnerung, aber auch als Auf­forderung, das globale Netz­werk zur Hilfe von existen­ziell bedrohten Journa­listen weiter zu festigen.

Christiane Schlötzer/ Carl Wilhelm Macke