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Milosevic,
Djurdjevic
Der
Eine steht derzeit in Den Haag vor dem UN-Kriegsverbre-chertribunal und
genießt die internationale Medienöffentlichkeit. Die Andere
muß sich und ihre Tochter in Belgrad unter den einfachsten Lebensbedingungen
durchschlagen. Der Eine ist
als Verantwortlicher für massenhafte brutale Kriegsverbrechen angeklagt.
Die Andere hat versucht, auch gegen den Druck
des Regimes in den Zeiten des ethnischen Hasses, ihre Würde als eine
unabhängige Journalistin zu behalten. Beide sind sie Serben, aber
es trennen sie Welten. Slobodan Milosevic muß sich um die Begleichung
der Stromrechnungen in seiner Belgrader Villa auch in seiner Abwesenheit
keine Sorgen machen.
Bei Olivera Djurdjevic stapeln sich die unbezahlten Rechnungen für
den dringend notwendigen Alltagsbedarf. Milosevic muß man nicht
mehr vorstellen. Wer aber ist Olivera Djurdjevic? Sie wurde 1956 in Belgrad
geboren und hat ihre ersten journalistischen Erfahrungen bei einer Studentenzeitschrift
gesammelt. Seit 1980 arbeitete sie bei Radio Belgrad im dokumentarischen
Programm. Bei einem schweren Verkehrsunfall wurden ihre Beine so sehr
verletzt, dass sie sie seitdem nicht mehr bewegen kann.
1990 wurde ihre Tochter Isidora geboren. Ein Jahr später wurde ihr
Mann anläßlich eines Besuches bei seinen Eltern in Dubrovnik
ermordet. Trotz dieser Schicksalsschläge arbeitete Olivera weiter
in ihrem Beruf als Journalistin. 1992 wurde sie anläßlich einer
von ihr verfassten regimekritischen Reportage über das Verhältnis
serbischer Schriftsteller zum Krieg von Radio Belgrad entlassen. Um ihr
und der Tochter das Leben irgendwie zu sichern, verkaufte sie auf den
Strassen Belgrads Gebäck.
1996 wurde sie dann wieder von der unabhängigen Tageszeitung 'Blic'
als Journalistin eingestellt. 1998 wechselte sie wieder
die Redaktion und wurde Kulturredakteurin für die Wochenend-ausgabe
der Tageszeitung 'Glas'. Ihr Monatslohn beträgt dort ungefähr
120 Euro. Zusammen mit ihrer Tochter kann sie sich nur eine 20qm Wohnung
ohne Fernsehen und Radio leisten. Beides steht Slobodan Milosevic selbstverständlich
in seinem Haager Untersuchungsgefängnis zur Verfügung. Was muß
in einer Kollegin wie Olivera Djurdjevic vor sich gehen, wenn sie
auf dem Fernsehschirm in der Redaktion ihrer jetzigen Zeitung Bilder vom
arroganten Auftreten des Slobodan Milosevic in Den Haag vor den Augen
der Weltöffentlichkeit sieht? Um Olivera Djurdjevic wenigstens das
Gefühl zu geben, nicht ganz allein gelassen zu werden bei der Bewältigung
ihres Alltags, hat der Verein "Journalisten helfen Journalisten"
ihr jetzt eine Spende überwiesen. Der serbische Schriftsteller Dragan
Velikic, dessen neuer Roman "Der Fall Bremen" in den deutschen
Feuilletons hochgelobt wird, kommentierte diese solidarische Hilfe mit
den Worten: "Ich stand mit meiner Opposition gegen Milosevic
immer unter dem Schutz ausländischer Redaktionen und Verlage. Olivera
hingegen hat ihre Würde ohne jede Form materieller und moralischer
Absicherung bewahrt. Sie hat heute jede Hilfe verdient."
Carl
Wilhelm Macke
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