
Heiko Flottau (1939 – 2025)
Sein Name wirkte wie ein Türöffner
Ein Nachruf von Jens Schnieder
Sein Name wirkte wie ein Türöffner, allein der Vorname Heiko war eine Art „Sesam-öffne-dich“. Wer als jüngerer Reporter einmal auf den Spuren von Heiko Flottau unterwegs war, in Belgrad oder später im Nahen Osten in Ramallah oder Kairo, erlebte es. Mit einer Empfehlung von Heiko wurde man sofort herzlich aufgenommen und ins Vertrauen gezogen – gerade auch von Menschen, die schon aus politischen Gründen genau prüften, wem sie sich anvertrauten. Sie kannten Heiko als einen enorm hilfsbereiten und zugewandten Menschen. Ein eher leiser Reporter, der alles genau wissen wollte, um dann genau zu berichten.
Dieser Wille zu verstehen und dann die komplizierten Zusammenhange zu erklären, das zeichnete ihn aus. 1939 in Wernigerode geboren, war Heiko Flottau 1967 zur Süddeutschen Zeitung gekommen, war zunächst Leserbriefredakteur, baute dann die Medienseite auf, bevor er Korrespondent für die SZ wurde. Von 1978 an prägte er jahrzehntelang die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung als Auslandskorrespondent mit. Zunächst schrieb er aus Belgrad über das damalige Jugoslawien und dann vor allem aus und über den Nahen Osten – als ebenso mutiger wie gründlicher Reporter. Er war in Belgrad, Kairo, danach in Warschau, schließlich erneut in Kairo. Angefangen hatte er seine Laufbahn bei der SZ im Juli 1967 als Leserbriefredakteur.
Seine Reportagen und Analysen über die Kriege am Golf oder den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern waren geprägt von der direkten Anschauung, die für ihn unbedingt dazu gehörte – und dem Wissen, dass ohne Einordnung und Hintergrund solche Situationen nicht zu verstehen sind. Unermüdlich und, weil es um Wahrhaftigkeit ging, auch stur, beharrte er auf Genauigkeit. Gänzlich fremd war ihm jede Arroganz gegenüber den Kulturen in den Regionen, die ihm so ans Herz gewachsen waren. Und sobald sich jemand dafür interessierte, hatte er Freude an ihrer Neugier, knüpfte Verbindungen, stellte Kontakte her, ohne je belehren zu wollen.
Manchmal hätte dieser sehr sensible Reporter über die Entwicklungen verzweifeln können, genauso wie über die Beharrungskraft von aus seiner Sicht zu einfachen Urteilen über die von ihm geliebten Weltregionen. Dem setzte er seine Beharrlichkeit entgegen. In Berlin, wo er zuletzt lebte, setze er sich in den Jahren für die Integration von Geflüchteten aus dem arabischen Raum ein. Und er schrieb weiter, auch im Ruhestand, so für das Onlineportal Journal21 ( https://www.journal21.ch/autoren/heiko-flottau ) Es blieb doch noch so viel zu erklären. Nun ist Heiko nach langer schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren gestorben.
Jens Schneider


